Parasit im Katzenblut

Das Bakterium 'Mycoplasma haemofelis' kann Katzen schwer zusetzen, gelegentlich gar eine tödlich verlaufende Blutarmut bewirken. Ein Forscherinnenteam rund um das Veterinärmedizinische Labor hat nun einen Test zum Nachweis des Parasiten entwickelt und will generell mehr wissen über des Erregers Verbreitung, Übertragung und Gefährlichkeit.

Brigitte Grether

Noch ist nicht geklärt, wie 'M. haemofelis' von Katze zu Katze übertragen wird. (Bild: Regina Hofmann)

Das Veterinärmedizinische Labor des Tierspitals Zürich bietet neben Routineuntersuchungen auch spezielle Untersuchungen an, die sonst nirgendwo in der Schweiz durchgeführt werden. So erstaunt es nicht, dass die stellvertretende Laborleiterin Regina Hofmann von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Klinik angefragt wurde, ob das Labor nicht einen diagnostischen Test für den Erreger Mycoplasma haemofelis anbieten könne. M. haemofelis gehört zu einer Bakterienfamilie, die im Blut von Tieren parasitiert und schwere, zum Teil tödlich verlaufende Blutarmut hervorrufen kann. Wie der Name sagt, kommt M. haemofelis bei der Katze vor (lat. felis = Katze). Andere Tierarten haben ihre eigenen Vertreter innerhalb dieser Erregerfamilie. Angeregt durch das in der Praxis geäusserte Bedürfnis nach einem solchen Test, entschloss sich Regina Hofmann zusammen mit der Tierärztin Felicitas Boretti von der Kleintierklinik des Tierspitals Zürich, einen solchen diagnostischen Test zu entwickeln. Gleichzeitig lancierten sie ein Forschungsprojekt, um mehr über die noch weitgehend unbekannte Katzenkrankheit herauszufinden. Mit Barbara Willi, die sich schon während des Studiums mit molekularbiologischen Methoden vertraut gemacht hatte, konnte als dritte Frau im Bunde eine Postdoktorandin für das Projekt gewonnen werden.

Die unbekannte Krankheit

Sporadische Erkrankungen von Katzen mit einer M.-haemofelis -Infektion wurden früher schon beschrieben. Eine gründliche Untersuchung insbesondere der Verbreitung, der Übertragung und der Gefährlichkeit dieser Erregerfamilie war bis vor kurzem jedoch nicht möglich. Mycoplasmen unterscheiden sich nämlich von den meisten Bakterien durch eine Eigenschaft, die für ihre Erforschung äusserst hinderlich ist: Sie lassen sich nicht ausserhalb des Wirts züchten. Die einzige Möglichkeit, eine M.-haemofelis -Infektion nachzuweisen, bestand bisher darin, einen Tropfen Blut auf einem Glasplättchen fein auszustreichen, zu färben und unter dem Mikroskop nach verdächtigen Partikeln in den Blutzellen abzusuchen. Diese Methode ist unbefriedigend, da sich Mycoplasmen kaum von andern Strukturen in den Blutzellen unterscheiden - beispielsweise von Zellkernfragmenten, die ausgerechnet bei Blutarmut besonders häufig auftreten.

Laborautomat zur Untersuchung von Blutproben. Mit Hilfe dieses Gerätes kann seit kurzem 'M. haemofelis' zuverlässig nachgewiesen werden. (Bild: Anita Hug)

Der Trick mit der Amplifizierung

Moderne molekularbiologische Nachweismethoden beruhen nicht auf dem Erscheinungsbild der Erreger. Vielmehr wird die genetische Struktur des Erregers zur Bestimmung herangezogen. Jede Zelle hat ihre eigene Erbsubstanz, die sogenannte DNA. Ein Bluttropfen enthält daher ausser der Bakterien-DNA auch eine grosse Menge dem Tier eigener DNA aus den Blutzellen, die das Auffinden der Bakterien-DNA erschwert. Um in diesem DNA-Pool die gesuchte Erreger-DNA zu finden, wird in der Molekularbiologie ein Trick angewendet: Die sogenannte Amplifizierung der Bakterien-DNA. Dazu wird die Blutprobe mit Enzymen versetzt, die gezielt in der gesamten DNA einen Abschnitt der Bakterien-DNA suchen und verdoppeln. Dieser Prozess wird 30 bis 45 mal wiederholt, bis die Bakterien-DNA in einer so hohen Konzentration vorhanden ist, dass sie messbar wird. Dabei werden Vorgänge imitiert, welche die Bakterien verwenden, um ihre Erbsubstanz zuvermehren. Die Methode ist unter dem Namen PCR (Polymerase-Kettenreaktion) bekannt.

Erstes Ziel bereits erreicht

Was sich einfach anhört, ist in der Realität ein komplexer Vorgang. Obwohl die beschriebene Methode schon für den Nachweis verschiedenster Erreger angewendet wird, lässt sie sich nicht einfach auf M. haemofelis übertragen. Den Forscherinnen ist es im Rahmen ihres Projektes jedoch bereits gelungen, den Test im Veterinärmedizinischen Labor zu etablieren. Dies bedeutet, dass der Nachweis von M. haemofelis nun zuverlässig möglich ist. In minutiöser Kleinarbeit wurden verschiedene Versuchsbedingungen ausprobiert und protokolliert, bis die Ergebnisse reproduzierbar waren. So steht der Klinik bereits eine Möglichkeit zur Verfügung, Katzen mit Blutarmut auf das Vorliegen einer M.-haemofelis -Infektion zu testen. Für die Forscherinnen ist dies jedoch erst der Anfang des Projektes.

Rufen haemophile Mycoplasmen auch bei andern Tierarten Blutarmut hervor? (Bild: Hans Lutz)

Flöhe und Zecken als Überträger?

Nun soll der Test weiter entwickelt werden, so dass auch die Menge der Erreger im Blut bestimmt werden kann. Es fällt auf, dass nicht alle Katzen, die mit M. haemofelis befallen sind, erkranken. Manche Tiere haben sich also mit dem Erreger «arrangiert» und werden durch ihn kaum beeinträchtigt. Dies hängt möglicherweise mit der Erregermenge zusammen. Um diese gesunden Trägerkatzen zu erfassen, sollen im Verlauf des nächsten Jahres alle Katzenblutproben, die für Routineuntersuchungen eingeschickt werden, auf M. haemofelis untersucht werden.

Eine weitere Frage gilt derErregerübertragung. Bisher ist nicht bekannt, wie M. haemofelis übertragen wird. Flöhe und Zecken sind nicht nur lästige Plaggeister - durch ihre Blutmahlzeit können sie auch Erreger von einem Tier auf das andere übertragen. Um diesen möglichen Übertragungsweg zu untersuchen, gilt es also, Flöhe und Zecken zu sammeln und sie auf M. haemofelis zu untersuchen.

Regina Hofmann, die Leiterin des Forschungsprojekts (Bild: Brigitte Grether)

Ausblick

Regina Hofmann sieht das Projekt als Grundlage für die Erforschung von M. haemofelis , aber auch von verwandten Mycoplasmen bei andern Tierarten. Für ihre Karriere ist dieses Projekt wichtig, weil sie so ihre eigene Forschungsgruppe aufbauen kann. Es kann auch die Chancen erhöhen, für ein ausgedehnteres Folgeprojekt einen Kredit vom Schweizerischen Nationalfonds zu erhalten.

Dr. Brigitte Grether ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Dekanats der Veterinärmedizinischen Fakultät.

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