Euphorischer Start des Open Access

An zehn Orten in der Welt gleichzeitig wurde am Freitagabend der Start der internationalen Wissenschaftszeitschrift «PLoS Biology» gefeiert. Einer der auserwählten Festorte war die Universität Zürich.

Sabine Witt

Eröffneten gemeinsam die Feier: Prorektor Alexander Borbély und das ETH-Bigband-Sextett. (Bild: Sabine Witt)

Erst ein paar wenige Leute hatten sich gegen 17 Uhr in den Lichthof der Uni-Irchel scheinbar verirrt. Doch dann setzte das ETH-Bigband-Sextett zu einem swingenden Stück an und lockte so für einen Freitagabend noch erstaunliche viele Uni-Angehörige herbei.

Zum musikalischen Apéro hatten die Hauptbibliothek Irchel und das Prorektorat Forschung der Universität Zürich geladen. Gefeiert wurde das am 13.Oktober 2003 erstmals erschienene Open-Access-Journal «PLoS Biology» der Public Library of Science (PLoS). Ein Mitglied des hochkarätigen Editorial Boards stellt die Universität Zürich, Konrad Basler, Professor am Institut für Molekularbiologie. Prorektor Alexander Borbély eröffnete den Abend mit einer kurzen Begrüssung. Später äusserten er und Professor Michael Hengartner vom Institut für Molekularbiologie sich in einem Interview zusammen zum Anliegen von «PLoS Biology»; moderiert wurde das Gespräch von Thomas Poppenwimmer, Mitarbeiter der unicommunication.

Alexander Borbély (links) im Gespräch mit Michael Hengartner (rechts). (Bild: saw)

Eine absurde Situation

Borbély verwies auf die absurde Situation, die gegenwärtig bei der Publikation in Wissenschaftsmagazinen herrsche: Die Universitäten finanzieren die Forschung, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leisten die ganze Arbeit für eine Publikation und die Reviewers stellen gratis die Gutachten. Profit aber schlagen letztlich die Verlage der teuren Wissenschaftszeitschriften daraus. Auch die Bibliotheken, so der Prorektor, kämen allmählich an ihre finanziellen Grenzen angesichts der immer teureren Zeitschriftenabonnemente. Auf die Frage, ob es denn für die Forschenden attraktiv sei, in einem neuen, noch nicht renommierten Journal zu publizieren, antwortete Hengartner, der - bekleidet mit einem blauen PLoS-T-Shirt - ein Befürworter der Open-Access-Publikation ist: Die Qualität einer Zeitschrift hänge vom Niveau des Editorial Boards und der Reviewer ab. Im Fall der PLoS könne man also ohne Bedenken seine Artikel einschicken. Ausserdem seien alle Redakteure früher selber für einschlägige Wissenschaftsmagazine tätig gewesen und würden demnach die Standards bestens kennen.

Schneller und allgemein zugänglich

Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bieten solche Open-Access-Publikationen die Möglichkeit, ihre Resultate schneller sowie allgemein und gratis zugänglich zu veröffentlichen. Angesichts dieser neuen Entwicklung herrscht denn auch beinah eine euphorische Stimmung in Wissenschaftskreisen. Nach den Zukunftsaussichten befragt sagte Professor Borbély, dass es in zwanzig Jahren höchstens noch einige Nostalgie-Journals in gedruckter Form geben werde. Aber vielleicht, fügte er scherzhaft hinzu, sei es gut, ein paar papierene Exemplare zu besitzen, falls einmal eine Katastrophe passiere, in der alle elektronischen Daten gelöscht würden. Nach einer Übergangsphase mit Mischformen von elektronischen und Print-Publikationen werden sich langfristig die elektronischen durchsetzen, vor allem wegen der höheren Veröffentlichungsgeschwindigkeit.

An die Durchsetzungskraft einer reinen Online-Ausgabe glaubt auch die in San Francisco sitzende Organisation Public Library of Science bislang nicht. Neben dem Online-Journal wird sie vorerst jeden Monat eine gedruckte Version herausbringen.

Sabine Witt ist Redaktorin bei unicommunication.

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