Tiermedizin

Die virtuelle Schlange in der tierärztlichen Praxis

«Frau Doktor, meine Kornnatter frisst nicht mehr.» Nun ist fachkundiger Rat gefragt. Aber wie können künftige Tierärztinnen und Tierärzte auf solche ungewöhnliche Situationen in der Praxis vorbereitet werden? Der Unterricht am lebenden Tier ist für das Üben von Untersuchungsgängen ideal. Die dafür benötigten Patienten fehlen aber am Tierspital manchmal. Um den Studierenden jederzeit die Möglichkeit zum Üben zu geben, können sie an der Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich auch mit virtuellen Patienten arbeiten.

Björn Theise

Die «Untersuchung von Reptilien» auf CD-ROM präsentiert den Studierenden eine Reihe von Schlangen, Echsen und Schildkröten, die sie am Bildschirm untersuchenkönnen - so oft sie wollen. Mit interaktiven Übungen und kommentierten Videosequenzen können die Studierenden die Grundlagen für den Patientenkontakt erlernen. Dieses Wissen kann dann in den Lektionen am lebenden Tier gefestigt und umgesetzt werden.

Um die Python in ihrer gesamten Länge abzubilden, waren drei Röntgenaufnahmen nötig. (Bild: zVg)

Computergestützte Lehre an der Vetsuisse-Fakultät

Auch in anderen Fächern der Veterinärmedizin gibt es immer mehr computerbasierte Lernsoftware. Die «Untersuchung von Reptilien» ist eines von elf E-Learning-Projekten, die durch das E-Learning-Center der Universität Zürich zwischen 2001 und 2003 gefördert wurden. Die Studierenden gewinnen mit den entstanden Lernprogrammen z.B. einen virtuellen Einblick in die Röntgenanatomie eines Python, sie können sich über die biochemischen Vorgänge im Pansen der Kuh informieren («Intermediärstoffwechsel interaktiv») oder einen Blick in die Luftröhre eines galoppierenden Pferdes riskieren («EQUAD - Atemwegserkrankungen beim Pferd»).

Diese Lernprogramme können sich die Studierenden auf CD mit nach Hause nehmen und am heimischen Computer durcharbeiten, andere, wie «Zoologie für Veterinärmediziner» sind im Internet verfügbar.

Computerrecherche in der Bibliothek

Auch wenn die meisten einen Computer zu Hause haben, wollen nicht alle Studierenden ausschliesslich dort arbeiten. Der Zugang zum Internet ist zu langsam oder der Computer befindet sich nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Womöglich wollen die Studierenden aber auch noch vor der Veranstaltung «Medizinische Spitalklinik» einen Blick in den Verdauungstrakt des Chinchillas («Untersuchung von Heimtieren») werfen.

Um 10:30 Uhr sind bereits die meisten Computerarbeitsplätze in der Bibliothek der Vetsuisse Fakultät belegt. (Bild: zVg)

Um diesen Bedarf zu decken, hat die Fakultät letztes Jahr 25 Computerarbeitsplätze geschaffen. Diese stehen seit einem Jahr nun in der Bibliothek zur Verfügung und werden rege genutzt. Hier lernen die Studierenden nun u.a. die «Untersuchung von Reptilien», recherchieren zur Parvovirose des Hundes im Internet, schreiben ihre Fallberichte zu den Spitalklinik-Veranstaltungen oder lesen einfach nur Ihre E-Mails.

E-Mail hat inzwischen einen hohen Stellenwert in der Kommunikation zwischen den Studierenden erlangt. Aber auch im Kontakt zwischen den Dozierenden und den Studierenden ist es nicht mehr wegzudenken.

Information zur Stundenplanänderung per E-Mail

An der Vetsuisse-Fakultät wurden daher im Sommersemester 2003 Mailinglisten für die einzelnen Jahreskurse eingerichtet. Mit diesen Listen kündigt z.B. Frau Dr. Grether den Studierenden die Verschiebung der Epidemiologievorlesung an, Herr Dr. Hauser informiert über Anmeldemodalitäten zum Zytologiekurs und Frau Dr. Leemann teilt mit, dass der «VetPath-Trainer» in der «Allgemeinen Histopathologie» nun auf OLAT - der Lernplattform der Universität Zürich - erreichbar ist.

Seit Beginn des Wintersemesters 03/04 steht den Dozierenden dort auch ein Dokumenten-Upload zur Verfügung. Hier werden Dokumente abgelegt, die aufgrund ihrer Grösse nicht über die Mailinglisten verschickt werden können. So können sich die Studierenden während des ganzen Semesters die aktuellen Unterlagen zu der jeweiligenVeranstaltung herunterladen, ohne dass Ihre Mailboxen durch riesige Dokumente verstopft werden.

Ausgewogener Einsatz

Der Computer hat Einzug in die tiermedizinische Ausbildung gehalten, wie die beschriebenen Beispiele zeigen. Dabei darf man nicht vergessen, dass E-Learning kein Allheilmittel ist. Doch in der ausgewogenen Kombination der verschiedenen Lehrmethoden stellt E-Learning einen Mehrwert für die Qualität in der Lehre dar.

Dann wird Frau Doktor auch wissen, wie sie die Kornnatter richtig untersuchen und behandeln muss. Und sie wird ihr Wissen auch kompetent anwenden können, da sie nicht nur an der virtuellen Schlange ausgebildet wurde.

Dr. med. vet. Björn Theise ist E-Learning-Koordinator der Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich.

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