Freier Zugang zu Wissen

Die Universität Zürich gehört zu den Vorreitern der Open Access Bewegung in der Schweiz. Mit dem Aufbau eines Dokumenten- und Publikationsserver unternimmt sie einen weiteren Schritt zur Umsetzung des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Publikationen. Am Donnerstag informierte Prof. Alexander Borbély, Prorektor Forschung, über das zukunftsweisende Projekt.

Theo von Däniken

«Beim Open Access geht es um eine neue Art des wissenschaftlichen Publizierens», machte Professor Alexander Borbély, Prorektor Forschung der Universität Zürich, die Bedeutung des Open Access (OA) deutlich. Scherzhaft sprach er sogar von einer Revolution. Tatsächlich will Open Access den Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen in die Hände der Forschenden und der Universitäten legen. «Das mit öffentlichen Geldern finanzierte Wissen soll auch öffentlich zugänglich sein» erläuterte Borbély die Grundidee hinter Open Access.

Die Universität Zürich hat die Bedeutung der Open Access Bewegung schon früh erkannt und gehört zu den Schrittmachern in der Schweiz, wie Prorektor Alexander Borbély ausführte. (Bild: Adrian Ritter)

Das bestehende Verlagswesen schränkt den Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen ein, wie Borbély ausführte. Störend sei insbesondere, dass die Autoren die Rechte an die Verlage abgeben müssen. Die Universität muss sich so den Zugang zum selbst produzierten Wissen über die Lizenzierung wieder erkaufen. Die Verlage hätten dadurch einen Profit, ohne dass dem ein Gegenwert gegenüber stehe, so Borbély.

Zugang zu Publikationen sichern

Die Universität Zürich ist sehr gut ausgestattet und bietet ihren Forschenden Zugang zu einer riesigen Zahl von elektronischen Zeitschriften. Damit sind jedoch jährliche Kosten in Millionenhöhe verbunden. «Die Verlage haben in den vergangenen Jahren ihre Preise zum Teil bis zu 30 Prozent erhöht», sagte Borbély. «Der Zugriff auf alle Journale kann deshalb nicht unbeschränkt aufrecht erhalten werden.»

Freier Zugang zu wissenschaftlichen Forschungsergebnissen ist auch deshalb ein Anliegen, für das sich die Universität schon lange stark macht. Als erste Schweizer Universität hat sie im Jahr 2004 die Berliner Erklärung unterschrieben, welche die Grundlagen für den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen festhält. Im vergangenen Jahr verabschiedete sie zudem Leitlinien für die Open Access Policy.

Zugriff für die ganze Welt

Zwei Punkte sind entscheidend für die Open Access Idee, wie Borbély ausführte: Die Autoren und Rechteinhaber stellen die Publikation allen Benutzern gebührenfrei und ohne Auflagen zur Nutzung zur Verfügung. und die Publikationen werden elektronisch auf einem frei zugänglichen Archivserver abgelegt und veröffentlicht, sofern dem keine rechtlichen Bedenken entgegenstehen.

Vom «grünen» und «goldenen» Weg in den Open Access Himmel erzählte die stellvertretende Direktorin der Hauptbibliothek Universität Zürich, Ingeborg Zimmermann. (Bild: Adrian Ritter)

Mit der Open Access Idee soll für die Verbreitungsmöglichkeit im Internet auch ein entsprechendes Regelwerk zu den Publikationsrechten bereitgestellt werden. «Es geht darum, dass auch Bibliotheken mit weniger finanziellen Mitteln den Zugang zum Wissen haben,» erläuterte Borbély. Oder dass der Zugang auch dort möglich ist, wo es gar keine Bibliotheken gibt.

Mit der Einrichtung eines elektronischen Dokumenten- und Publikationsservers, eines so genannten Repository, schafft die Universität Zürich nun die Voraussetzung für die Umsetzung der Ziele des Open Access. So soll im Laufe des Jahres ein Server installiert und mit Publikationen gefüllt werden, wie die stellvertretende Direktorin der Hauptbibliothek Universität Zürich, Ingeborg Zimmermann, ausführte.

Vom grünen und goldenen Weg

«Es gibt verschiedene Wege in den Open Access Himmel», erklärte Zimmermann. Zunächst dürfte dabei der«grüne Weg» im Vordergrund stehen. Das heisst, Artikel, die in herkömmlichen Zeitschriften publiziert sind, werden unter Berücksichtigung der vertraglichen Einschränkungen in das Repository aufgenommen. Meist bedeutet dies, dass die Aufnahme erst eine gewisse Zeit nach der Veröffentlichung zugänglich gemacht werden darf, oder dass nochmals eine neue PDF-Version erstellt werden muss.

Der «goldene Weg» ist die direkte Publikation in einem der immer zahlreicher werdenden Open Access Journals. Damit steht der Artikel unter der Open Access Lizenz und kann sogleich im Repository frei zugänglich gemacht werden.

Was kommt ins Repository?

Entscheidend für den Nutzen des Repositorys ist dabei die Anzahl der darauf abgelegten Publikationen. «Ein Repository mit 400 Artikeln interessiert niemanden» so Zimmermann. Deshalb hat in den Niederlanden beispielsweise die nationale Initiative für Open Access sich das Ziel gesetzt, Publikationen der jeweils 15 besten Forschenden jeder Universität auf einem OA-Repository zugänglich zu machen.

Welchen Weg die Universität Zürich einschlagen wird, ist noch nicht festgelegt. Sicher ist, dass die Hauptbibliothek Universität Zürich zunächst in zentraler Regie die Artikel für das Repository sammeln und auch dort ablegen wird. In Zukunft soll es Forschenden auch selber möglich sein, ihre Publikationen über ein Internet-Formular einzutragen.

Sind beide überzeugte Verfechter der Open-Access-Idee: Alexander Borbély und sein designierter Nachfolger als Prorektor Forschung, Prof. Heini Murer. (Bild: Adrian Ritter)

Qualität wahren

«Open Access bedeutet aber nicht einen Freibrief zum Publizieren», warnte Borbély vor falschen Erwartungen. Denn ebenso wie bei herkömmlichen Zeitschriften durchlaufen die eingereichten Beiträge einen Peer-Review-Prozess. Und auch in einem Open Access Journal besteht kein Recht auf die Publikation eines Artikels. «Die Ablehnungsrate bei Open Access Journalen ist vergleichbar mit anderen Journalen», so Borbély.

Auch in der für die Forschenden wichtigen Messung der Zitierhäufigkeit und des Impact-Faktors, also der Bedeutung einer Publikation, sind die OA-Journale mit den herkömmlichen vergleichbar. In verschiedenen Fachbereichen gehören OA-Journale mittlerweile sogar zur Spitzengruppe, was den Impact-Faktor betrifft. Weil in den elektronischen Archiven beispielsweise die Anzahl der Downloads gezählt werden kann, bietet sich zudem gegenüber den gedruckten Zeitschriften auch neue Möglichkeiten, die Bedeutung einer Arbeit zu messen, erklärte Zimmermann.

Theo von Däniken ist Redaktor von unipublic

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