Swiss Virtual Campus Days 2006 

Wie weiter mit dem E-Learning?

Die diesjährigen Swiss Virtual Campus Days vom 13. bis 14. März in Basel standen ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit und der Zukunftsfrage: Was kommt nach 2007?

Mandy Schiefner

E-Learning hat die Lehre zweifellos verändert. Es regte insbesondere dazu an, über Lehr- und Lernqualität zu diskutieren; diese Diskussionen gilt es nun weiterzuführen und zu konkretisieren und die durch E-Learning bewirkten Verbesserungen nachhaltig zu implementieren.

E-Learning entwickelte sich in den vergangenen sechs Jahren von der ursprünglichen Idee des Distance Learning immer mehr zum Blended Learning: Das bedeutet, dass man die Vorteile des traditionellen Lernens mit den Vorteilen des E-Learning zu einer optimalen Lehrveranstaltungsform kombiniert. E-Learning gilt nicht mehr als «Allheilmittel», sondern die Qualität der Lehre als Ganzes wird momentan diskutiert. Dass gute Lehre in Zukunft stärker als bisher zur Profilbildung von Universitäten und Fachhochschulen beitragen werde, war man sich einig. Staatssekretär Charles Kleiber betonte denn auch, dass der Bund in diesem Kontext die aufgebauten E-Learning-Kompetenzen auch nach dem Ende der Förderung durch den SVC 2007, weiter fördern wolle.

Rektor Hans Weder, designierter Präsident der CRUS, formuliert die Zielsetzungen der CRUS und des E-Learning an der Universität Zürich. (Bild: Mandy Schiefner)

Kooperation und Transfer

Auch die vom Swiss Virtual Campus vorgeschriebene Zusammenarbeit von Hochschulen hat sich als erfolgreich erwiesen. Die Hochschulen haben nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre besser kooperiert.

In Zukunft sind vor allem Transferstrategien gefragt. Wie kann man Projekte in den Lehr- und Arbeitsalltag transferieren und integrieren? Das Augenmerk liegt dabei auf der Weiterfinanzierung der E-Learning-Projekte ab 2007. Es müssen neue Strukturen und Ideen gesucht werden, um zu verhindern, dass ganze Projekte «sterben». Dabei müssen auch neue Zielgruppen wie Unternehmen, Weiterbildung usw. erschlossen und der Austausch bzw. die Wiederverwertbarkeit von (elektronischen) Lehrinhalten verbessert werden.

Es werden weiterhin nationale Plattformen für den Einsatz an Hochschulen bereitstehen. Auf organisationaler Ebene werden Netzwerke und ein nationaler Erfahrungsaustausch immer wichtiger. Hier müssen neue Formen gefunden werden.

Aufwertung der Lehre

Doch was bedeutet diese Entwicklung für das E-Learning an der Universität Zürich? Professor Hans Weder stellte in seiner Ansprache als designierter Präsident der CRUS und Rektor der Universität Zürich die Zielsetzungen der CRUS und das E-Learning früher und heute an der Universität Zürich vor. In Zukunft werde das E-Learning der Qualitätsentwicklung und Internationalisierung der Lehre dienen, sagte Weder.

Das Ziel einer Aufwertung der Lehre wird in Zürich nicht nur von der Universität, sondern auch von der Politik getragen. Die Bildungsdirektorin Regine Aeppli formulierte das strategische Ziel der Universität Zürich so: «Forschung und Lehre haben an der Universität den gleichen Stellenwert. Die Qualität ist in beiden Bereichen zu fördern.»

Fundament für zukünftige Entwicklungen gelegt

Am wichtigsten für die Universität Zürich war im Jahr 2003 die Verabschiedung der E-Learning-Strategie. Zum Erfolg des E-Learning beigetragen haben die Arbeit des E-Learning Centers und der E-Learning-Koordinatoren. Deren zentrale Support-Angebote und die dezentralen Schaltstellen bilden zusammen mit den Multimedia & E-Learning Services (MELS) ein tragfähiges Fundament für zukünftige Entwicklungen an der UZH.

Das Ende des Swiss Virtual Campus im Jahr 2007 bedeutet nicht das Ende für das E-Learning an der Universität Zürich (UZH). Als Präsenzuniversität wird die UZH schwerpunktmäßig Blended-Learning-Angebote fördern, die eine Steigerung der Lehrqualität zum Ziel haben. Dafür werden weiterhin Support- und Infrastruktur bereitgestellt, damit sich Dozierende auf ihre Fach- und Lehrexpertise konzentrieren können. Doch auch Veränderungen stehen an: Der Swiss Virtual Campus hat viele große Leuchtturm-Projekte ermöglicht; künftig wird vermehrt «Strassenbeleuchtung» benötigt, also Innovationen, die verbreitet und nachhaltig in die Universitätsstruktur eingebettet sind. Diesen Weg hat die UZH mit kleineren Projekten parallel zum Swiss Virtual Campus bereits beschritten, was sich in der Einschreibung von rund fünfzig Prozent aller Studierenden im strategischen Learning Management System OLAT zeigt.

Die Geschichte des Swiss Virtual Campus

Das Impulsprogramm des Swiss Virtual Campus (SVC) von 2000 bis 2003 unterstützte 50 Projekte, die ins Curriculum eingebettet wurden. Ziel war es vor allem, Entwicklung, Integration, Bereitstellung und Nachhaltigkeit von E-Learning-Projekten an Hochschulen zu fördern. Die derzeitige Konsolidierungsphase (2003–07) setzt die Unterstützung der Entwicklung von 64 weiteren E-Learning-Projekten fort. Die Universität Zürich erhielt den Zuschlag für 23 Leading-House-Projekte. Zur Unterstüt-zung wurden an allen Hochschulen sogenannte CCSPs (Centers of Competence, Support and Production) gefördert, die Dozierende bei der Konzeption, Produktion und Umsetzung von Projekten beratend zur Seite stehen. An der UZH bildet das E-Learning Center zusammen mit MELS das CCSP. Gesamtschweizerisch investiert der Bund 53 Millionen Schweizer Franken ins SVC-Programm.

Open Content

Die Qualität der Lehre wird auch von der CRUS immer mehr als Wettbewerbsfaktor gesehen. Dabei kann E-Learning als Schaufenster wirken – vorausgesetzt, die Inhalte sind im Internet frei einsehbar. Man braucht Einblick in Lerninhalte und Lehrmethoden einer Universität, um deren Qualität beurteilen zu können. Open Content ist somit auch ein Werben um künftige Studierende und Dozierende für die Universität Zürich.

Mandy Schiefner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am E-Learning Center der Uni-versität Zürich

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