Open Access: Wie umsetzen?

Werden in Zukunft sämtliche Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung für alle und überall frei zugänglich sein? Genau das ist das Ziel des Open Access Prinzips. Bis es soweit ist, steht der Bewegung allerdings noch ein weiter Weg bevor, wie eine Tagung in Bern zeigte.

Theo von Däniken

Resultate wissenschaftlicher Forschung stiften nur dann Nutzen, wenn sie auch zugänglich sind und weitere Forschung vorantreiben können. Insbesondere in der Medizin und in den Naturwissenschaften ist eine rasche und weltweite Verfügbarkeit neuer Forschungsresultate zentral für die weitere Entwicklung der Forschung. Wissenschaftliche Publikationen nehmen deshalb eine zentrale Stelle ein, denn sie ermöglichen erst die Verbreitung neuer Erkenntnisse.

Professor Alexander Borbély setzte sich als Prorektor Forschung der Universität Zürich schon frühzeitig für die Open Access-Idee ein. (Bild: Theo von Däniken)

Schnellere und bessere Verbreitung über das Internet

Seit Inhalte nicht nur in gedruckter Form, sondern auch elektronisch gespeichert und verbreitet werden können, sind die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Kommunikation entscheidend erweitert worden. Elektronische Publikationen sind in der Regel rascher verfügbar, weil die zeitaufwändige Drucklegung wegfällt. Gedruckte Publikationen sind zudem kostenpflichtig. Gerade in ärmeren Ländern können sich die Universitätsbibliotheken die Lizenzen oft nicht leisten. Der weltweite Zugang zu den Forschungsergebnissen ist daher nicht sichergestellt.

Aus all diesen Gründen stellt die Idee des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Publikationen über das Internet eine zukunftsweisende Alternative zum gängigen System dar, wie unter anderen der frühere Prorektor Forschung der Universität Zürich, Alexander Borbély, an der Tagung «Open Access – Vom Prinzip zur Umsetzung» der Schweizerischen Akademie des Geistes- und Sozialwissenschaften in Bern ausführte.

Für Borbély ist deshalb klar, dass das Prinzip des Open Access so rasch als möglich umgesetzt werden muss. Die Universität Zürich nimmt in dieser Beziehung in der Schweiz eine Vorreiterrolle ein, hat sie doch bereits im Juli 2005 als erste Schweizer Universität eine Open Access Policy verabschiedet. Darin werden Forschende angehalten, eine vollständige Fassung aller publizierten und von Fachkollegen begutachteten Artikel im Dokumenten- und Publikationsserver der Universität zu hinterlegen, sofern dem keine rechtlichen Bedenken entgegenstehen. Seit Oktober des vergangenen Jahres ist dazu der Dokumentenserver ZORA in Betrieb. Die Universität Zürich ermuntert zudem ihre Forschenden, ihre wissenschaftlichen Arbeiten in einem Open Access Journal zu publizieren und unterstützt Forschende dabei.

Die Tücken des grünen und goldenen Weges

Die beiden Empfehlungen stellen zwei Wege dar – den so genannten grünen und den goldenen Weg – wie derzeit die Umsetzung des Open Access Prinzips angestrebt wird. Beide Wege – Hinterlegung der Publikationen in einem öffentlich zugänglichen Server (grün) und Publikation in einem Open Acces Journal (golden) haben ihre Tücken, die an der Tagung intensiv diskutiert wurden.

Die beiden Ko-Projektleiter Roberto Mazzoni, Informatikdienste der Universität Zürich, und Ingeborg Zimmermann, Forschungsbibliothek Irchel, berichteten über ihre Erfahrungen mit dem Zurich Open Repository and Archive (ZORA). (Bild: Theo von Däniken)

Im «grünen Weg» sind, neben dem Aufbau der geeigneten Infrastruktur für die Speicherung der Daten, so genannten Repositories, derzeit in erster Linie ungeklärte Copyright-Fragen von Bedeutung. Denn meist treten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sämtliche Rechte an einer Publikation an die Verlage ab. Ob die Hinterlegung in einem öffentlich zugänglichen Repository im Rahmen des Vertrags erlaubt ist oder nicht, muss für jede Zeitschrift einzeln abgeklärt werden, erläuterte Ingeborg Zimmermann, Leiterin der Forschungsbibliothek Irchel und Ko-Projektleiterin des Dokumentenservers ZORA (Zurich Open Repository and Archive) der Universität Zürich. In Zürich führte das sogar dazu, dass vereinzelt Dokumente nach Interventionen der Verlage wieder aus dem Repository entfernt werden mussten.

Der Jurist Michel Jaccard empfahl deshalb allen Betreibern von Repositories, klar zu regeln, wie mit Copyright-Fragen umgegangen werden soll. Ansonsten könnten die Betreiber plötzlich selbst mir Forderungen oder Prozessen seitens der Verlage konfrontiert sein. Eine mögliche Vorlage solcher Vereinbarungen wären die aus der Open Source Bewegung entstandenen Lizenzmodelle der Creative Commons, die Jaccard vorstellte.

Die Universität Zürich setze sich vehement für Standartvereinbarungen ein, welche die Autoren mit den Verlagen treffen können, erklärte Zimmermann. Darin sollen die Autoren insbesondere bestimmte Rechte für sich zurückhalten, statt sie wie bisher gänzlich an die Verlage abzutreten.

Wer soll bezahlen?

Im «goldenen Weg» stellt sich insbesondere die Frage der Finanzierung. Denn auch bei der Publikation in Open Access Journalen fallen Kosten für die Begutachtung und die Redaktion der Artikel an. Die Open Access Journale seien keine «Zweitklass»-Journale, wie an der Tagung betont wurde. Qualitativ wollen sie den gleichen Massstäben standhalten wie die gedruckten Magazine, einzig die Druckkosten fallen weg.

Bei den gedruckten Magazinen gilt bisher das Prinzip, dass der Leser (oder die Bibliotheken) bezahlt. Weil Open Access-Artikel frei zugänglich sein sollen, müssen für Open Access-Magazine andere Wege gefunden werden. Eine Möglichkeit ist, dass die Autoren selber die Kosten übernehmen. Der grosse Open Access-Verlag Biomed Central etwa berechnet pro Artikel eine Gebühr zwischen 490 und 2350 US-Dollar, je nach Zeitschrift.

Eine Möglichkeit sei, so Borbély, dass die Publikationskosten von Anfang an in die Forschungsaufwendungen einbezogen werden und von den Forschenden, bzw. deren Geldgebern – beispielsweise der Förderinstitutionen – übernommen werden. Dieter Imboden, Forschungsratspräsident des Schweizerischen Nationalfonds, gab zu bedenken, dass damit die Gebühren lediglich von den Bibliotheken zu den Forschenden verschoben würden.

Bisher noch wenig verbreitet

Ungeachtet der kontrovers diskutierten Probleme des einen oder anderen Weges, stellen die Forschenden selber derzeit noch das grösste Hindernis in der Umsetzung von Open Access dar. Nur die wenigsten von ihnen kennen überhaupt die Möglichkeiten von Open Acces, wie Umfragen unter Forschenden zeigen. Je nachdem, was man dazu zählt, bewegen sich die Zahlen der Open Access publizierten Artikel im niederen einstelligen Prozentbereich. Die Forschenden zu sensibilisieren – insbesondere auch auf die Fragen des Copyrights –, sei deshalb die vordringlichste Aufgabe, so der Tenor der Tagung.

Universitäten und Förderinstitutionen können das Ihre dazu beitragen, indem sie klare Open Access Leitlinien verfassen und im besten Fall sogar Mandate verabschieden, welche die Forschenden verpflichten, ihre Arbeiten in offen zugänglichen Repositories abzulegen. Bis es soweit ist, wird der Weg – egal ob grün oder golden – noch ein steiniger sein.

 

Die Tagungsbeiträge sind auf der Website der SAGWzugänglich.

Theo von Däniken

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