E-Learning von ausgezeichneter Qualität

Beratung, Reporting und Evaluation sind wichtige Elemente von E-Learning-Projekten an der Universität Zürich. Das Qualitätsmanagement- System wurde jüngst mit dem europäischen eQuality-Award ausgezeichnet.

Theo von Däniken

ELC-Leiterin Dr. Eva Seiler Schiedt (l.) und Dr. Schewa Mandel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ELC, freuen sich über den eQualitiy-Award. (Bild: Theo von Däniken)

Die Universität Zürich erringt nicht nur mit E-Learning-Projekten immer wieder Anerkennung und Preise. Auch was das Qualitätsmanagement angeht, gehört das E-Learning Center (ELC) der Universität Zürich zu den führenden in Europa. An der «iLearn»-Konferenz in Paris wurde die Universität zu Beginn des Jahres mit dem erstmals vergebenen «eQuality-Award» der «European Foundation for Quality in E-Learning» (EFQUEL) ausgezeichnet. Mit einem Apéro feierte das ELC am Montag die Auszeichnung und bedankte sich damit auch bei den Dozierenden für die Mitarbeit bei der Berichterstattung und Evaluation der Projekte.

Das ELC erhielt den ersten Preis in der Kategorie «Users and Implementers of eQuality Solutions and Systems» für sein Qualitätsmanagement-System, mit dem es seit 2001 E-Learning-Projekte begleitet und evaluiert. Mit dem System können die Projekte daraufhin überprüft werden, ob die gesteckten Ziele wirklich erreicht wurden, aber auch, ob der zeitliche und finanzielle Rahmen eingehalten werden konnten.

«Im Rahmen einer Initiative des Kantons Zürich wurde in den Jahren 2000 und 2001 viel Geld für E-Learning-Projekte zur Verfügung gestellt», erklärt Dr. Schewa Mandel, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am ELC das Qualitätsmanagementsystem erarbeitet hat. «E-Learning war weitgehend ein neues Feld, deshalb brauchte es Instrumente, um die Projekte evaluieren und den Erfolg – auch im Bezug auf das eingesetzte Geld – einschätzen zu können», sagt Mandel.

Mit einem Apéro feierte das ELC die Auszeichnung und bedankte sich damit auch bei den Dozierenden für deren Mitarbeit. (Bild: Theo von Däniken)

Blick fürs Ganze

Das Reporting und die Selbstevaluation waren deshalb von Beginn weg feste Bestandteile der E-Learning-Projekte. «Wir verpflichteten die Dozierenden, zweimal jährlich einen Online-Fragebogen zum Stand des Projektes auszufüllen», erklärt Mandel. Das sei zwar nicht immer sehr beliebt gewesen, habe sich aber im Rückblick bewährt. «In grösseren Projekten besteht oft die Gefahr, dass man sich in Details verliert», so Mandel. «Die Reportings zwangen die Dozierenden dazu, zweimal jährlich wieder den Blick aufs Ganze zu richten und zu überprüfen, ob das Projekt noch auf Kurs ist.»

Insgesamt kamen seit 2001 451 Reportings über 104 E-Learning-Projekte zusammen. Aufgrund der Berichte konnte das ELC gezielt einhaken, wenn Probleme bezüglich Finanzen, Projektfortschritt oder Terminen erkennbar wurden. Daneben dienten die Berichte aber auch in erster Linie dazu, die Bedürfnisse der Projekte in Erfahrung zu bringen und entsprechende Unterstützung anzubieten. «Das war den Dozierenden ein grossen Anliegen, welches wir bei der Erarbeitung des Reporting-Tools berücksichtigt haben», erläutert Mandel.

Die Projekte wurden aber nicht nur in der Projektphase intensiv begleitet. Auch nach Abschluss des Projekts mussten die Dozierenden das Projekt mit einem standardisierten Fragebogen evaluieren. Rund 80 Prozent der angefragten Projekte haben laut Mandel diese Evaluation ausgefüllt. «Eine hohe Qualität in der Lehre ist für die Universität Zürich von grosser Bedeutung. Deshalb war uns von Anfang an die Evaluation der Projekte ein wichtiges Anliegen. Sie gab Aufschluss darüber, ob die didaktischen Ziele erreicht werden konnten, ob die Abstimmung zwischen Präsenzunterricht und E-Learning-Anteilen sinnvoll war oder wie die Akzeptanz bei den Studierenden war. Ferner wurde auch die Frage nach der Usability der Angebote gestellt.»

Das verstärkte Bewusstsein durch den Einsatz der Qualitätssicherungsinstrumente fördert allein schon die Qualität, ist Schewa Mandel überzeugt. (Bild: Theo von Däniken)

Kaum Projektabbrüche

Mandel ist überzeugt, dass die Instrumente des Qualitätsmanagements einen wichtigen Anteil am Erfolg von E-Learning-Projekten haben. Das zeigt sich auch in der sehr geringen Zahl der Abbrüche: Nur drei Projekte wurden nicht zu Ende geführt. «Offensichtlich haben sich die breite fachliche Unterstützung und Beratung der Dozierenden sowie das Reporting bewährt», so das Fazit von Mandel. In der Beratung würden die Dozierenden auf die Erfolgsfaktoren, bzw. mögliche Gefahren sensibilisiert. Durch das regelmässige Reporting blieben diese Fragen zudem stets im Bewusstsein. «Allein dadurch ist bereits eine Qualitätssteigerung möglich», ist Mandel überzeugt.

Mit dem Auslaufen der Förderung durch den Kanton und den Bund in diesem Jahr wird auch das Qualitätsmanagement angepasst. Künftig werden eher kleinere Projekte im Rahmen der «Initiative interaktives Lernen» (IIL) der Universität gefördert. Das Qualitätsmanagement wird deshalb schlanker. Projektevaluation und Beratung werden neu von den Fakultäten gemacht. Das ELC unterstützt diese dabei. Eine standardisierte Selbstevaluation wird nur noch für grössere Projekte über 50'000 Franken gemacht.

Theo von Däniken ist Redaktor von unipublic

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