Fabio La Mattina

«Ich kombiniere Potenziale»

Der Physiker Fabio La Mattina untersucht neue Materialien als Grundlage für elektronische Speichermedien. Dazu pendelt er zwischen der Universität und dem IBM-Forschungslabor in Rüschlikon.

Roman Benz

«Die technischen Ausrüstungen von IBM und Universität ergänzen sich ideal»: Fabio La Mattina pendelt zwischen Zürich und Rüschlikon.

Der Physiker Fabio La Mattina arbeitet für seine Dissertation an zwei Forschungsstätten. Im IBM-Forschungslabor in Rüschlikon züchtet er Kristalle, deren Eigenschaften er anschliessend am Physik-Institut der Universität Zürich untersucht. Nur dort stehen ihm die notwendigen Apparaturen zur Elektronenspinresonanz-Spektroskopie zur Verfügung. Für das Züchten der Kristalle ist hingegen allein das IBM-Forschungslabor eingerichtet. La Mattina kombiniert das technische Potenzial der beiden Institutionen für seine Untersuchungen. Angestellt ist der Physiker zu 100 Prozent von der Universität Zürich, wobei IBM für die Hälfte des Gehaltes aufkommt.

Neue Generation von Speichermedien

Das IT-Unternehmen finanziert das Dissertationsprojekt mit, um genauere Kenntnisse über die Strontium-Titan-Verbindung SrTiO3 zu gewinnen. Aus Sicht der Computertechnik eignet sich das kristallförmige Metalloxid nämlich als Grundmaterial für eine neue Generation von Speichermedien.

Um die Idee zur Marktreife zu entwickeln, benötigt IBM weitere Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung. So ist die Frage noch ungeklärt, aufgrund welcher mikroskopischen Mechanismen sich die elektrische Leitfähigkeit von SrTiO3 gezielt verändern lässt und der erreichte Zustand anschliessend dauerhaft erhalten bleibt.

Vielleicht rührt diese Eigenschaft von Fremdatomen her, die sich im Kristallgitter des Metalloxids befinden. Um darüber Näheres zu erfahren, experimentiert La Mattina mit SrTiO3, das mit Chrom dotiert ist. Mit Hilfe der Elektronenspinresonanz-Spektroskopie beobachtet er dann das Verhalten der Chromatome.

Ideale Verbindung

Bei diesem Experiment gehen die Interessen von Universität und privatwirtschaftlicher Firma eine ideale Verbindung ein. Zum einen erhält das Physik-Institut dank der Zusammenarbeit mit IBM die Möglichkeit, anhand von SrTiO3 klassische Grundlagenforschung zu betreiben. Zum anderen kann das IT-Unternehmen seine eigenen Forschungsabteilungen entlasten.

Die Kooperation fördert zudem den Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern. Denn IBM betreibt in Rüschlikon ebenfalls Grundlagenforschung. Dass die Beziehungen zwischen dem Physik-Institut und dem IBM-Labor relativ eng sind, liegt insbesondere an K. Alex Müller, der bis heute als emeritierer Professor am Physik-Institut aktiv ist. Gemeinsam mit J. Georg Bednorz entdeckte er 1986 in Rüschlikon die Hochtemperatursupraleitung, wofür beide den Nobelpreis erhielten.

Kaum Unterschiede

Fabio La Mattina kann zwischen den Arbeitsweisen am Physik-Institut und im IBM-Forschungslabor kaum Unterschiede erkennen. Forschung benötige stets ähnliche Strukturen, um erfolgreich zu sein. Dazu zähle eine weitgehende Freiheit bei der Wahl der Vorgehensweise, denn nur so sei wissenschaftliche Kreativität möglich. Auch was das beschäftigte Personal betrifft, sieht La Mattina bei beiden Institutionen grosse Übereinstimmungen. Hier wie dort leiten erfahrene Wissenschafter Forschungsgruppen, die sich aus Festangestellten, Postdocs und Dissertierenden zusammensetzen.

Nur in einem Punkt gibt es für ihn einen Unterschied. Damit keine vertraulichen Informationen verbreitet werden, benötigt er für Vorträge und Papers eine Genehmigung von IBM: «So muss ich jede Präsentation eine Woche früher fertig haben als meine Kollegen am Physik-Institut.»

Roman Benz ist Journalist

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