Eröffnungsfeier des Jubiläums

Reden und Reisen zum Jubiläumsauftakt

Am Freitag war es soweit: Die offizielle Eröffnungsfeier des 175-Jahr-Jubiläums der Universität Zürich ging im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne – inszeniert vom Schauspielhaus im Schiffbau.

Brigitte Blöchlinger

750 Gäste aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft stiessen auf das 175-Jahr-Jubiläum der Universität Zürich an. (Bild: Ilja Mess)

Schon auf dem Weg zum Schiffbau wurde klar, dass die angekündigte «inszenierte Reise» zum Jubiläumsauftakt keine einsame Expedition werden würde: 750 Gäste aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft folgten der Einladung, mit der Universität Zürich (UZH) ihren 175. Geburtstag zu feiern. Wie eng die Universität mit Persönlichkeiten in Zürich, der Schweiz und der Welt verbunden ist, zeigte der eindrückliche Begrüssungsteil der Festrednerinnen und -redner. Die anwesende Professorenschaft wurde begrüsst, ebenso die Leitungsorgane der Universität, auch die städtischen, kantonalen und schweizerischen Volksvertreter, natürlich die Partner des Jubiläums, die ausländischen Bildungsdelegationen, die Universitätsangehörigen, deren Partner sowie die Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur.

Wissenschaft als kulturelles Gut

Auch mit der Kultur pflegt die Universität eine enge Beziehung. Darauf verwiesen die Musikeinlagen, die die Festreden umrahmten: Arthur Honegger, von dem die «Pastorale d'été» zu hören war, erhielt 1948 von der hiesigen Alma mater die Würde eines Ehrendoktors; sein Freund Paul Hindemith, von dem die Sonate für 10 Instrumente gespielt wurde, war 1949 als erster Ordinarius für Musikwissenschaft an die UZH berufen worden.

«Wissenschaft macht unseren Umgang mit dem scheinbar Selbstverständlichen verständiger und mündiger»: Hans Weder (Bild: Ilja Mess)

So freudig-beschwingt wie die musikalischen Stücke fielen dem Anlass entsprechend auch die Reden aus. Der Rektor der UZH, Prof. Hans Weder, beleuchtete das Jubiläumsmotto «Wissen teilen» aus verschiedenen Blickwinkeln. In der Lehre wie in der Forschung sei die Universität tagtäglich daran, Wissen auszutauschen. Nicht nur die Dozierenden würden ihr Wissen vermitteln, auch die Studierenden würden ihre Sicht der Dinge und ihre Erfahrung einbringen. Ebenso die internationalen Kooperationspartner der Universität und die weltweit gespannten Wissensnetzwerke.

Dass die Universität ihr Wissen erfolgreich teilt, zeige ihre Mitgliedschaft in der LERU, einer Vereinigung der besten Forschungsuniversitäten Europas. In der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung begnüge man sich an der Universität nicht damit, «etwas zum Funktionieren zu bringen. Man will es verstehen», führte Weder aus. In den Kultur- und Geisteswissenschaften wiederum würden die Hintergründe aufgezeigt, die uns erklärten, welche Bedeutungen und historischen Erfahrungen hinter dem stehen, was wir täglich tun und lassen. «Es macht unseren Umgang mit dem scheinbar Selbstverständlichen verständiger und mündiger», sagte Weder.

«Viel Freude über das, was uns das Geburtstagskind in Form von Lehre, Forschung und hervorragend ausgebildeten Menschen zurückgibt», hat Regierungspräsidentin Rita Fuhrer. (Bild: Ilja Mess)

Geschenk schon überreicht

Die Regierungspräsidentin des Kantons Zürich, Rita Fuhrer, brachte kein Geburtstagsgeschenk mit an die Eröffnungsfeier. Nicht weil sie sich der Bedeutung der Universität für den Kultur- und Wirtschaftsraum Zürich nicht bewusst wäre. Sondern weil der Kanton sein «Geschenk» seit dem Bestehen der Universität Jahr für Jahr als Staatsbeitrag abliefere. «Wir tun dies mit gutem Gewissen und mit viel Freude über das, was uns das Geburtstagskind in Form von Lehre, Forschung und hervorragend ausgebildeten Menschen zurückgibt», sagte die Regierungspräsidentin.

Die Verbreitung des Wissens macht neue Fähigkeiten erforderlich, meinte die Bildungsdirektorin und Präsidentin des Universitätsrates, Regine Aeppli. (Bild: Ilja Mess)

Bildungsdirektorin Regine Aeppli baute ihre Rede als «Drama zwischen Hochschule und Gesellschaft» auf. In drei Bildern skizzierte sie, wie sich die Wissenschaft vom anfänglich enormen Einfluss der Kirche emanzipiert und zu einem zweckfreien Forschen gefunden hat, und wie das Wissen heute durch die Massenkommunikationsmittel demokratisch Verbreitung findet – was neue Fähigkeiten der Wissensnutzer nötig macht. Insbesondere die Fähigkeit zu gewichten und auszulesen.

Bankier Hans Vontobel wünscht sich, dass die «Exzesse der Wirtschaft» untersucht werden. (Bild: Ilja Mess)

Verbundenheit mit Zürich

Verbundenheit mit der Wirtschaft brachte Bankenbesitzer Hans Vontobel zum Ausdruck, der ankündigte, dass die Vontobel Stiftung der Universität zwei Professuren finanziert. Vontobel wünschte sich, dass sich die Universität auch kritisch mit der Wirtschaft, insbesondere mit den «jüngsten Exzessen», auseinandersetzt.

«Ein Absolvent der Universität Zürich, der es zu etwas gebracht hat», so Rektor Hans Weder über Bundesrat Moritz Leuenberger. (Bild: Ilja Mess)

Einen kontinuierlichen Diskurs zwischen Politik und Wissenschaft wünschte sich Bundesrat Moritz Leuenberger – «ein Absolvent der Universität Zürich, der es zu etwas gebracht hat», wie Rektor Weder den letzten Festredner ankündigte. Leuenberger betonte, dass die Wissenschaft nicht einfach immer recht habe, weil sie sich von der Ratio leiten lasse, und die Politiker immer falsch, weil sie nach dem Bauch entschieden. Alle Menschen seien von «Bauch» und «Kopf» geleitet und das sei auch gut so. Es erlaube, die Irrtümer des Anderen aufzudecken und zu korrigieren. Auch die «Denker» könnten sich manchmal irren und die «Macher» sich falsch entscheiden. Gerade deswegen sei es wichtig, den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik nicht irgendwelchen Glaubensmaximen zu opfern.

Handeln und Wandeln

Nach einem reichhaltigen Apéro folgte der zweite Teil, eine «inszenierte Reise auf den Spuren des Handelns und Wandelns». Ein Kreativteam der Universität und des Schauspielhauses hatte vier Themen für den Anlass ausgearbeitet: Antrieb, Navigation, Rettung und Sehnsucht.

Hausherr und Kapitän Matthias Hartmann lud die Gäste auf eine inszenierte Reise durch den Schiffbau ein. (Bild: Ilja Mess)

In sogenannten Wunderkammern inszenierten Künstlerinnen und Künstler poetische Bilder und Klänge. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tauschten Wissen und Erfahrungen sich mit Sportlerinnen, Künstlern oder Wirtschaftsvertretern. Installationen mit Reiskörnern veranschaulichten auf ungewohnte Art Zahlen und Fakten, Vorträge führten in die Tiefen des Alls.

Die Reisenden folgten ihrem eigenen Antrieb und steuerten ihre Reise selbst. Ein Leitsystem und Schutzengel halfen ihnen weiter, wenn sie die Orientierung zu verlieren drohten. Mit einem grossen Feuerwerk im Spielgelsaal ging der Abend zu Ende: Sprühend, feurig, glänzend, mit Überraschungen und Knalleffekten gespickt. Genau so wie sich die Universität an den zahlreichen Jubiläumsanlässen auch der Bevölkerung präsentieren will.

Brigitte Blöchlinger ist Redaktorin von unipublic

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