Beat Hotz-Hart

«Bund und Universität sind zwei Welten»

Der Nationalökonom Beat Hotz-Hart ist ein Grenzgänger zwischen Politik und Wissenschaft: Der Professor für Volkswirtschaft der Schweiz ist auch Vizedirektor des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie.

Thomas Gull

Beat Hotz-Hart ist so etwas wie der «Mister Innovationspolitik » der Schweiz. Als solcher hat er ein Mantra: «Unser Land muss zu einem Innovationshost werden.» Ausgedeutscht heisst das etwa soviel wie: die Schweiz soll ein einzigartiges Umfeld für Innovationen bieten und so Unternehmen, Investoren und gut ausgebildete Arbeitskräfte anziehen. Leuchtende Beispiele dafür gibt es bereits, etwa den Internetsuchdienst Google oder die zahlreichen Spin-offs, die in den vergangenen Jahren an der Universität Zürich entstanden sind.

Beat Hotz-Hart, Nationalökonom und Vizedirektor des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie. (Bild: Thomas Gull)

Hotz-Hart selbst sieht sich als Grenzgänger zwischen Politik und Wissenschaft. Der sechzigjährige Ökonom ist im Hauptberuf Vizedirektor im Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), wo er den Stab Innovationspolitik und BFI-Controlling leitet. Daneben wirkt er an der Universität Zürich als Professor für Volkswirtschaft der Schweiz und Ökonomie und Politik der Innovation. Inhaltlich ergänzen und befruchten sich diese beiden Bereiche: An der Universität denkt Hotz-Hart über Volkswirtschaft und Innovationspolitik nach, beim BBT in Bern arbeitet er an deren aktiver Gestaltung. Trotzdem bestehe ein «Spannungsverhältnis », wie er immer wieder feststellt. Auf der einen Seite gilt es, beim Bund pragmatisch politische Konzepte zu entwerfen, die praktikabel und durchsetzbar sind. Auf der anderen Seite geht es im akademischen Umfeld um analytische Schärfe und Objektivität. Grundsätzlich gelte für ihn das «Primat der Politik», betont der BBT-Vizedirektor. Doch wenn Hotz-Hart von seiner Arbeit an der Universität spricht, gerät er ins Schwärmen: «Hier ist man in einer anderen Welt. Dozierende und Studierende stellen andere Fragen, denken in anderen Zusammenhängen, sind provokativer, kritischer.» Das sei für ihn sehr attraktiv und ein Ausgleich zum politischen Pragmatismus, der die Arbeit beim Bund präge.

«An der Universität wird provokativer und kritischer gedacht»

Beat Hotz-Hart ist einer von zwei Professoren im Nebenamt an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Geht das überhaupt, zwei Hüte zu tragen und je nach Bedarf den einen oder den anderen aufzusetzen? Und was bringen der Universität solche Teilzeitprofessuren? Mit dieser Frage haben sich in den letzten Jahren gleich zwei Evaluationen beschäftigt – eine der Universität und eine der Erziehungsdirektion. In seinem Fall seien beide sehr positiv ausgefallen, konstatiert Hotz-Hart mit Genugtuung. Die internationalen Experten hielten ausdrücklich fest, es sei «originell», einen Dozierenden zu haben, der Einblick in die Wirtschaftspolitische Praxis geben könne. Der Grenzgänger selbst konstatiert immer wieder, dass die «Studierenden ein grosses Interesse haben zu erfahren, wie die wirtschaftspolitischen Prozesse tatsächlich funktionieren.»

Beat Hotz-Hart steht in einer illuster besetzten Traditionslinie: Sein Vorgänger war Willy Linder, im Hauptberuf Wirtschaftschef bei der NZZ. Dessen Vorgänger Hugo Allemann arbeitete als Delegierter für Konjunkturfragen des Bundes und war gleichzeitig Professor für praktische Nationalökonomie in Zürich. In den siebziger Jahren war Hotz-Hart Assistent bei Allemann. Die Doppelrolle war ihm deshalb bestens vertraut. Mit seiner Berufung 1991 schloss sich für ihn dann der Kreis. Heute möchte Beat Hotz-Hart weder das eine noch das andere missen: «Universität und Bund sind zwei Welten; der Austausch zwischen diesen Welten inspiriert mich.»

Thomas Gull ist Redaktor des unimagazins

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