Onkologie

Rückzug in die Forscherklause

Als Mediziner erfolgreich in der Grundlagenforschung: Wolfram Jochum.

Sascha Renner

Als Mediziner erfolgreich in der Grundlagenforschung: Wolfram Jochum. (Bild: Frank Brüderli)

Wie gelingt es einem Mediziner, erfolgreich zu publizieren? «Indem er sich für eine Weile von all seinen klinischen Verpflichtungen befreit und sich einzig der Forschung widmet. Andernfalls ist er häufig nicht wettbewerbsfähig», sagt Wolfram Jochum. Der jetzige Chefarzt am Kantonsspital St. Gallen hat als Postdoc genau dies getan: Er zog sich für dreieinviertel Jahre in die wissenschaftliche Klausur zurück. Jochum schwamm an vorderster Front im Forschungsfluss mit, zuerst am Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien, später am Institut für Klinische Pathologie des Universitätsspitals Zürich.

Die Anerkennung der Forschergemeinschaft kam in Form einer Einladung zur Abfassung eines Reviewartikels für Oncogene, einer der führenden Fachzeitschriften für Krebsforschung. In diesem viel beachteten Paper boten die Autoren einen konzisen Überblick über ein sich rasant entwickelndes Wissenschaftsfeld. Anfang der Neunzigerjahre erhielt die AP-1-Forschung enormen Auftrieb, als es mittels genetisch veränderter Mäuse gelang, die Funktionen der einzelnen Komponenten des AP-1-Transkriptionsfaktors zu klären.

«Der AP-1-Faktor spielt eine Schlüsselrolle bei vielen krankheitsrelevanten Abläufen, etwa der Tumorbildung. Entsprechend zahlreich sind die Gruppen, die daran arbeiten», begründet Jochum die hohe Resonanz seines Artikels. Er ist überzeugt, dass ein Medizinstudium für die Forschung kein Nachteil ist, im Gegenteil. «Als Pathologe hat man ein breites Wissen über Aufbau und Funktionsweise von Organismen. Das kommt einem in der Forschungsarbeit zugute.»

Jochum W, Passagué E, Wagner E: AP-1 in Mouse Development and Tumorigenesis. In: Oncogene, Vol. 20, 2001.

Sascha Renner ist Redaktor des unijournal

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