Genetik

Von Pflanzen über den Menschen lernen

Brachte Licht in die Interaktion von Proteinen und Genen: Ueli Grossniklaus.

Sascha Renner

Brachte Licht in die Interaktion von Proteinen und Genen: Ueli Grossniklaus. (Bild: Frank Brüderli)

Medea war eine Rabenmutter: Die Frauengestalt der griechischen Mythologie ermordete ihre Kinder, so berichtet es Euripides. Was hat das mit Genetik zu tun? Eine Menge, identifizierte doch Ueli Grossniklaus, Leiter der Abteilung Entwicklungsgenetik am Institut für Pflanzenbiologie, eine Mutante in der Modellpflanze Arabidopsis, die er MEDEA taufte und in der genau dies passiert: Die eigenen Nachkommen sterben ab. Dies geschieht allerdings nur, wenn die Mutation mütterlich vererbt wird; es handelt sich also um einen Maternaleffekt.

Für den Forscher eine wertvolle Erkenntnis: Sie ist ein wichtiger Schritt, um die komplizierten Vorgänge bei der Fortpflanzung von Pflanzen zu verstehen. Aber auch beim Menschen kommt der Proteinkomplex, an dem MEDEA beteiligt ist, in fast gleicher Form vor. Grosse Beachtung erhielt Grossniklaus’ Veröffentlichung, weil es seinem Team gelang, das erste Zielgen des MEDEA-Proteinkomplexes zu charakterisieren.

Das führte zu einem besseren Verständnis der Funktion von MEDEA, dem ersten für die Entwicklung von Pflanzen bedeutsamen Gen, das genetischer Prägung (Genomic Imprinting) unterliegt – ein besonders rätselhafter Gegenstand der epigenetischen Forschung, bei dem die elterliche Herkunft darüber entscheidet, ob ein und dasselbe Gen seine Wirkung entfaltet oder nicht. Das Verständnis der Wirkungsweise von MEDEA könnte sich dereinst als Segen erweisen: Es ist ein bedeutsamer Schritt hin zur Herstellung sich asexuell fortpflanzender Kulturen, denen ein grosses Potenzial für die Landwirtschaft zugeschrieben wird.

Köhler C et al.: The Polycomb-Group Protein MEDEA Regulates Seed Development by Controlling Expression of the MADS-Box Gene PHERES1. In: Genes & Development, Vol. 17, 2003.

Sascha Renner ist Redaktor des unijournals

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