Pflanzenbiologie

Er fand, wonach er nicht suchte

Für Beat Keller tat sich überraschend ein neues Forschungsfeld auf.

Simone Buchmann

Für Beat Keller tat sich überraschend ein neues Forschungsfeld auf. (Bild: Frank Brüderli)

Eigentlich handelte es sich bei der Analyse einer zusammenhängenden 211-kb-Sequenz des Weizengenoms um eine Nebenuntersuchung, die als Basis für das Hauptforschungsprojekt dienen sollte: die Erforschung der Krankheitsresistenz beim Weizen. Wie so oft in der Geschichte der Wissenschaft machten Beat Keller und sein Team die Entdeckung, die in der Fachwelt schliesslich grosse Aufmerksamkeit erregte, eher zufällig: Die Länge der untersuchten Genomsequenz erlaubte es ihnen, Rückschlüsse auf deren evolutionsgenetische Entwicklung zu ziehen.

Sie beschrieben verschiedene Mechanismen der Duplikation, Deletion und Insertion, die bei der historischen Entwicklung des Genoms eine Rolle spielten, und zeigten auf, dass diese in mindestens fünf zeitlich unterscheidbaren Wellen erfolgt war. «In unserer Analyse arbeiteten wir zum ersten Mal in grösserem Umfang mit den Methoden der Bioinformatik», erinnert sich der Professor für Pflanzenbiologie.

Die Erforschung von Weizen ist kompliziert, denn dessen Erbgut ist etwa fünf Mal grösser als dasjenige des Menschen. Das Zürcher Forschungsteam hat mit der Untersuchung einen wertvollen Beitrag zum besseren Verständnis des Weizengenoms geliefert. «Der Artikel öffnete uns die Tür zur Mitarbeit in internationalen Forschungsprojekten», konstatiert Keller. Und die grosse Resonanz führte dazu, dass das Thema zu einem wichtigen Teil der Forschungsarbeit des Teams wurde. Die Geschichte von Keller und seinem Team ist exemplarisch für die Grundlagenforschung: «Oft können wir nicht im Voraus sagen, wonach wir eigentlich suchen.»

Wicker T et al.: Analysis of a contiguous 211 kb sequence in diploid wheat (Triticum monococcum L.) reveals multiple mechanisms of genome evolution. In: The Plant Journal, Vol. 26, 2001.

Simone Buchmann ist Journalistin

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