Endokrinologie

Durchbruch dank unverstelltem Blick

Endokrinologe Marc Donath führte einen Paradigmenwechsel herbei.

Sascha Renner

Endokrinologe Marc Donath führte einen Paradigmenwechsel herbei. (Bild: Frank Brüderli)

Denken, was damals undenkbar schien – das führte Marc Donath zum Erfolg und lässt weltweit 250 Millionen Diabetes-Kranke hoffen. Der Endokrinologe suchte nach den Ursachen für den Typ-2-Diabetes. Dass dabei ähnliche Prozesse wie beim Typ-1-Diabetes am Werk sein könnten, nämlich immunologische – diese Idee, so Donath, wäre ihm nicht gekommen, wäre er nicht gewissermassen als Aussenseiter, mit unverstelltem Blick, auf die Immunologie zugegangen.

Sein Paper stiess denn bei einigen Immunologen auch auf Ablehnung. Erst als Donath und sein Team 2007 belegen konnten, dass ihr neuartiger Therapieansatz nicht nur im Labor, sondern auch am Patienten funktioniert, schwand die Skepsis.

Fünf Pharmakonzerne stiegen ein. Donath hatte einen Paradigmenwechsel herbeigeführt. Mit weitreichenden Folgen: Im besten Fall können Diabetes-Typ-2-Patienten künftig nicht nur auf die tägliche Insulingabe verzichten, sondern für immer geheilt werden.

Denn Donaths Therapie setzt an der Ursache der Krankheit an, statt bloss – wie bisherige Therapien – ihre Effekte zu behandeln. Voraussetzung war, dass der Mediziner 2002 den Urheber des Leidens identifizieren konnte: den Stoff Interleukin Beta-1, der für die Zerstörung derjenigen Zellen in der Bauchspeicheldrüse verantwortlich ist, die das lebensnotwendige Insulin zur Regulierung des Blutzuckers bereitstellen.

Mit seinen Resultaten konnte Donath beweisen, dass auch ausserhalb der USA exzellente klinische Forschung möglich ist. Er schreibt dies massgeblich der in Zürich engen Verzahnung von Forschung und Klinik zu.

«Glucose-induced beta cell production of IL-1beta contributes to glucotoxicity in human pancreatic islets», Journal of Clinical Investigation» (Vol.110, 2002)

Sascha Renner ist Redaktor des unijournals

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