Chirurgie

Der Leber zuliebe

Machte einen Risiko- zum Routine-Eingriff: Pierre-Alain Clavien.

Marita Fuchs

Pierre-Alain Clavien machte einen Risiko- zum Routine-Eingriff. (Bild: L. Schütz-Cohen)

Mit einem Gewicht von etwa einem Kilogramm ist die Leber das schwerste Organ unseres Körpers, sie ist sehr gut durchblutet. Die Leberresektion gehört deshalb zu den anspruchsvollen Operationen in der Abdominalchirurgie, denn bei einem Eingriff stellen schwere Blutungen immer ein grosses Risiko dar. Um einen massiven Blutverlust zu vermeiden, hat sich während der Leberteilresektionen das Abklemmen der blutzuführenden Gefässe zur Leber – der Leberarterie und der Pfortader – bewährt. Jedoch führt die daraus resultierende Minderdurchblutung zu komplexen Veränderungen, die zu zellulären Schäden, bis hin zum Versagen des gesamten Organs, führen können.

Pierre-Alain Clavien beschreibt in seinem viel zitierten Artikel, wie diesen gravierenden Folgen vorgebeugt werden kann. In einer klinischen Studie wies er nach, dass die «ischämische Präkonditionierung» Komplikationen vorbeugt. Dabei wird der Blutfluss der Leberarterie und der Pfortader kurzzeitig, zum Beispiel für etwa zehn Minuten, unterbrochen und anschliessend für zehn Minuten wieder geöffnet. Während der Leberoperation wird der Blutzufluss wieder vollständig unterbunden. Durch dieses Verfahren kann die Leber einen Schutz aufbauen, der nach der Operation zelluläre Schäden vermindert. Das Verfahren hat sich inzwischen etabliert. Früher noch sehr riskant, ist die Operation an der Leber so zu einem standardisierten Eingriff geworden. In dem von Pierre-Alain Clavien aufgebauten Leberzentrum am Universitätsspital Zürich werden inzwischen etwa 250 Patienten pro Jahr an der Leber operiert.

Clavien PA et. al.: A prospective randomized study in 100 consecutive patients undergoing major liver resection with versus without ischemic preconditioning. Ann Surg., Vol. 238, 2003.

Marita Fuchs ist Redaktorin von unipublic

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