E-Learning

OLAT an der Elbe

Die E-Learning-Plattform «OLAT» mausert sich zum Exportschlager: Die Universität Hamburg hat sich entschlossen, auf das an der Universität Zürich entwickelte Learning Management System umzusatteln. Andere Universitäten könnten folgen, denn das Open-Source Produkt ist gegenüber kommerziellen Anbietern kostengünstiger und dynamischer.

Marita Fuchs

«Open-Source-Software sind im Vergleich zu teuren, kommerziell vertriebenen Produkten leistungsstark und trotzdem kostengünstig», OLAT-Entwickler Hans-Jörg Zuberbühler. (Bild: zVg.)

Angela Peetz, E-Learning-Beauftragte der Universität Hamburg, ist begeistert: «Das E-Learning-System OLAT der Universität Zürich bietet für die Fächervielfalt einer grossen Universität mannigfaltige Möglichkeiten, didaktische Szenarien abzubilden.» Zwar kannte Angela Peetz OLAT schon seit längerem, aber auf der OLAT-Konferenz 2008 lernte sie die neue Version 6 mit überarbeitetem Design und besserer Usability kennen und war schnell davon überzeugt, dass OLAT eine gute Lösung für die Universität Hamburg sein könnte.

Nicht zuletzt mit der Aussicht auf die Skalierbarkeit grosser Nutzerzahlen gewann Angela Peetz das E-Learning-Consortium Hamburg (ELCH) und das Präsidium der Universität Hamburg für ihre Idee. «Jetzt steht der Kooperationsvereinbarung zwischen den Universitäten Zürich und Hamburg nichts mehr im Weg», sagt Peetz.

OLAT, Online Learning And Training, ist eine so genannte freie Software, ein Open Source Produkt. Bisher wickelte die norddeutsche Universität ihre E-Learning-Kurse mit einem kommerziellen Produkt ab . «Diese Software war teuer. Jetzt, da der Lizenzvertrag ablaufen wird, ergreifen wir die Chance, auf OLAT umzusteigen. Die Kosten allein wären aber ein schlechter Grund», erklärt Peetz. «OLAT bietet auch grosse Vorteile in der Abbildung der neuen Bachelor-Module, sowie in der Entwicklung innovativer Lehr-Lernangebote.»

Diesem Beispiel könnten bald auch andere Universitäten folgen, meint Teamleiter und OLAT-Entwickler Hans-Jörg Zuberbühler von der Universität Zürich, denn die Open-Source-Software sei im Vergleich zu teuren, kommerziell vertriebenen Produkten leistungsstark und trotzdem kostengünstig.

Engagierte Entwicklergemeinde…

Das allerdings nicht, weil sie nur verschenkt wird. «Ein weit verbreiteter Irrtum: Frei heisst nicht kostenlos», erklärt Zuberbühler. «Weil unsere Quellcodes für jeden zugänglich sind, arbeiten weltweit ständig Programmierer während der Arbeitszeit, manche aber auch in der Freizeit, an der technischen Weiterentwicklung und helfen damit, die Software stets auf den neuesten Stand zu bringen», erklärt er den grossen Vorteil gegenüber geschlossenen Systemen. Grosse Code-Beiträge für OLAT kommen zum Beispiel vom Bildungsportal Sachsen, dem vierzehn Universitäten des gleichnamigen Bundeslandes angeschlossen sind, sowie von Frentix, der OLAT-Spin-off-Firma der Universität Zürich.

… mit viel Herzblut

Das Programm gibt es gratis im Netz. Nur wer ausserhalb der Universität Zürich Support oder Consulting braucht, also einen Service drum herum, muss dafür zahlen. «Die freie Software oder Open Source verändert auf Dauer die Spielregeln auf dem Markt», ist Zuberbühler überzeugt.

Die Universität Zürich hat sich 2004 entschieden, die Eigenentwicklung OLAT als strategische E-Learning Plattform anzubieten. Dieses Angebot steht mittlerweile auch den Angehörigen von 37 weiteren Schweizer Universitäten und Hochschulen zur Verfügung. Dank dem von Switch betriebenen AAI-Verbund (Authentication and Authorization Infrastructure) können sich Anwender mit einem Passwort in die E-Learning-Angebote verschiedener Universitäten einloggen.

Auf der Unesco-Rangliste der beliebtesten Open-Source-Lernplattformen rangiert «OLAT» an erster Stelle. Es wird in über 30 Ländern eingesetzt. Seine Benutzeroberfläche ist momentan in 17 Sprachen übersetzt, von Albanisch bis Zhongwen (Chinesisch).

Zuberbühler ist davon überzeugt, dass das Programmieren für ein Open Source-Produkt eine Art von Passion ist, die Menschen motiviert: Mit guten Programmierern rund um die Welt arbeiten zu können sei eine ganz besondere Herausforderung.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News

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