Kantonsratswahlen: Peter Jann

«Aufzeigen, dass es Alternativen zum Gymnasium und Studium gibt»

Peter Jann ist Naturwissenschaftler und Leiter des Life Science Learning Center Universität Zürich und ETH. Er kandidiert für die Grünen für den Zürcher Kantonsrat. Die Wahlen finden am 3. April statt. Jann findet, die Universität könne beim Ausbaustandard und beim baulichen Unterhalt sparen.

Fragen: Roland Gysin

An fünf von sieben Fakultäten der Universität Zürich studieren mehr Frauen als Männer. Bei den Professuren hingegen verharrt der Frauenanteil bei gut 16 Prozent. Braucht die Universität Zürich eine Frauenquote?

Nein.

Der Kanton Zürich deckt mit über 550 Millionen Franken fast die Hälfte des gesamten jährlichen Aufwandes der Universität Zürich. Reicht das?

Grundsätzlich ja. Allerdings sollte die Universität für nicht beeinflussbare Mehrausgaben, zum Beispiel durch steigende Studentenzahlen, entsprechend zusätzliche Mittel erhalten.

Peter Jann: «Grundsätzlich scheint mir eine Zulassungsbeschränkung für ausländische Studierende in Form einer Eintrittsprüfung sinnvoll.» (Bild: PD)

Möchte der Kanton zur Stärkung des Bildungsplatzes Zürich und der Wirtschaft bestimmte Forschungsrichtungen speziell fördern, muss zusätzliches Geld zur Verfügung gestellt, oder in Kauf genommen werden, dass in anderen Bereichen gekürzt werden muss. Auf der Ausgabenseite kann durchaus beim hohen Ausbaustandard und dem baulichen Unterhalt – etwa bei Neuanstrichen – gespart werden.

Die Universität Zürich wächst. Immer mehr Projekte und immer mehr Mitarbeitende und Studierende brauchen immer mehr Platz. Was tun?

Die Universität stellt nur noch Personen mit einer maximalen Körpergrösse von 150 Zentimetern und einem idealen Body-Mass-Index ein. Nein, im Ernst. Das ist eine schwierige Frage. Mehr Studierende benötigen mehr Raum und bedingen mehr Mitarbeiter. Die Optimierung von Raumnutzung und Hörsaalkoordination läuft auf Hochtouren, und Neubauten benötigen Zeit, kosten Geld und brauchen vor allem Fläche, über die wir nicht verfügen.

Mit E-Learning und Distant-Learning könnte man vielleicht etwas Abhilfe schaffen. Allerdings mag ich persönlich diese Lehrformen nicht sehr. Ich habe also keine Patentlösung. Gibt es an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität nicht ein Institut für Logistik oder Prozessmanagement, das Interesse an einer solch äusserst praxisorientierten Fragestellung hätte?

Braucht es eine Zugangsbeschränkung für Studierende aus dem Ausland? Aus der Schweiz? Falls ja, wie soll das gehen?

Welches Ziel soll damit verfolgt werden? Ein besseres fachliches Niveau der Studenten? Eine Reduktion der Anzahl, um Kosten zu sparen und aus der erwähnten Raumfalle zu kommen?

Das schweizerische Schulsystem kennen wir, und wir können auch die Qualität der Schulabgänger einigermassen vernünftig abschätzen. Bei Studierenden aus dem Ausland geht das nicht. Grundsätzlich scheint mir deshalb eine Zulassungsbeschränkung für ausländische Studierende in Form einer Eintrittsprüfung, die einen Vergleich mit den Anforderungen einer Schweizer Universität ermöglicht, sinnvoll.

Wenn die Menge das Problem ist, dann sind Zulassungsbeschränkungen eine End-of-Pipe-Lösung. Eine Erhöhung der Matura-Quote auf das Niveau der Nachbarländer ist deshalb nicht anzustreben. Besser wir setzen auf das duale Schweizer Bildungssystem und dessen Durchlässigkeit. Besser wir zeigen schon in der Volksschule auf, dass es zum Gymnasium und Studium Alternativen gibt. Attraktive Alternativen, die in gewissen Fällen sogar mehr Erfolg und berufliche Befriedigung bringen als ein Studium an einer Universität.

Der Kantonsrat wird nächstens über die öffentlich-rechtliche Körperschaft der Studierenden abstimmen. Ihre Meinung dazu?

Als Kantonsrat würde ich dem Vorstoss zustimmen, ebenso als Mitarbeiter der Universität Zürich. Die Studenten sollen sich aktiv an der Gestaltung des universitären Alltags und der Weiterentwicklung von Forschung, Lehre und Wissenschaft beteiligen. Um Ernst genommen zu werden, benötigen sie dazu ein offizialisiertes Mitsprache- und Mitwirkungsrecht sowie Unabhängigkeit. Die öffentlich-rechtliche Körperschaft schafft die Voraussetzungen dazu.

Mit wem würden Sie an der UZH gerne einmal den Arbeitsplatz tauschen und weshalb?

Mit dem Bauer, der auf dem Irchel Campus die Wiesen schneidet und das Heu wendet. Ich wollte schon immer mal Traktor fahren.

Zürcher Kantonsratswahlen: 5 aus 1720

Der Zürcher Kantonsrat umfasst 180 Sitze, um die sich 2011 nicht weniger als 1720 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben. UZH News hat fünf UZH-Angehörigen, die am 3. April 2011 ins Kantonsparlament gewählt werden möchten, sechs Fragen zur Entwicklung der Universität gestellt. Die Liste basiert auf Informationen der vier Parteisekretariate und umfasst Personen der vier aktuell wählerstärksten Parteien (SVP, SP, FDP und Grüne) im Kantonsrat. Die befragten Kandidatinnen und Kandidaten:

  • 24. März: Michael Hengartner , FDP, 45, Professor für Molekularbiologie und Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät
  • 25. März: Peter Jann, Grüne, 45, Naturwissenschaftler und Leiter des Life Science Learning Center Universität Zürich und ETH Zürich
  • 28. März: Sylvie Fee Michel, SP, 29, Geschichtsstudentin und Sekretärin der Vereinigung akademischer Mittelbau der Universität Zürich
  • 29. März: Frank Rühli, FDP, 39, Privatdozent für Anatomie
  • 30. März: Hans-Ueli Vogt, SVP, 41, Ausserordentlicher Professor für Handels-, Wirtschafts- und Immaterialgüterrecht
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