Infektionskrankheit Toxoplasmose

Bedrohung auf Samtpfoten

Der Parasit «Toxoplasma gondii» ist für viele Aborte und Fehlbildungen bei Nutztieren verantwortlich. Doch auch Menschen können von der Infektionskrankheit Toxoplasmose befallen werden. Besonders gefährdet sind schwangere Frauen. Etwa wenn sie rohes Fleisch essen oder Katzenkisten reinigen. Der Parasitologe Walter Basso untersucht, wie man die Verbreitung des Erregers eindämmen kann.

Lena Serck-Hanssen1 Kommentar

Pitschi auf der Pirsch – das süsse Kätzchen aus dem Kinderbuchklassiker entdeckt die Welt. Doch auf seinem ersten Streifzug hat sich Pitschi vielleicht bereits mit Toxoplasma gondii angesteckt. Der Parasit kommt auf der ganzen Welt vor und befällt Säugetiere und Vögel. Um sich zu vermehren und zu verbreiten, braucht er jedoch die Katze.

Katzen können Millionen von Oozysten ausscheiden und den Parasiten Toxoplasma gondii somit sehr breit streuen. (Bild: Gabriela Prokop)

Katzen als Infektionsträger

Nachdem der Parasit Toxoplasma gondii eine Katze befallen hat, durchläuft er gleichzeitig zwei Entwicklungszyklen. Zunächst vermehrt er sich sehr rasch und infiziert über das Blut und die Lymphe alle kernhaltigen Zellen. Dort kommt es zu Entzündungen und der Bildung toter Zellen, so genannten Nekrosen, während die Katze als Wirtstier gleichzeitig Antikörper entwickelt. Nach dieser akuten Phase bilden sich in den Zellen Zysten.

Parallel dazu wandert der Parasit in den Katzendarm und vermehrt sich dort. Als Endprodukt bilden sich drei bis zehn Tage nach der Infektion Oozysten, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Eine Katze kann während ein paar Wochen Millionen von Oozysten ausscheiden und den Parasiten somit sehr breit streuen.

Parasitologe Walter Basso: «Unser Ziel ist die Entwicklung einer wirksamen Toxoplasmose-Impfung für Katzen.» (Bild: Lena Serck-Hanssen)

Eine Ansteckung mit Toxoplasma gondii kann auf zwei Arten erfolgen. Erstens über den Verzehr von zystenhaltigem, rohem Fleisch. Bei der Katze zum Beispiel wenn sie eine mit Toxoplasma gondii infizierte Maus frisst. Und zweitens über den Verzehr von Futter, das mit Oozysten einer Katze verunreinigt ist. Da die Ausscheidung von Oozysten nur bei Katzen auftritt, kommt der Katze als Infektionsträgerin eine besondere Rolle zu.

Konsum von rohem Fleisch vermeiden

Walter Basso ist Postdoktorand am Institut für Parasitologie an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich. Toxoplasma gondii ist sein Spezialthema. Der Parasitologe geht davon aus, dass von den insgesamt 1,35 Millionen Katzen in der Schweiz zwischen 0,5 bis 1 Prozent Oozysten ausscheiden: Das sind bis zu 13'500 Tiere.

In der Regel verläuft die durch den Parasiten hervorgerufene Infektionskrankheit Toxoplasmose harmlos. Eine erhöhte Gefahr besteht aber, wenn sich trächtige Tiere oder schwangere Frauen erstmals mit dem Parasiten anstecken. Dies kann zu Fehlgeburten oder zu Schädigungen vor allem des Nervensystems und der Augen des Ungeborenen führen.

Allgemein gilt, dass ein reduziertes Immunsystem ein ernsthaftes Kranheitsrisiko darstellt. Während sich Schwangere schützen können, indem sie den Konsum von rohem Fleisch und den Kontakt zu Katzenkot vermeiden, sind Nutztiere dem Parasiten ausgeliefert. Für Pflanzenfresser wie Schafe oder Ziegen ist die Katze die einzige Infektionsquelle, indem sie mit ihrem Kot das Futtergras verunreinigt.

Immunität nach Infektion

Was also tun, um die Verbreitung von Toxoplasma gondii zu verhindern? Genau dieser Frage geht Walter Basso nach. Unterstützt wird er dabei durch den Forschungskredit der Universität Zürich: «Unser Ziel ist die Entwicklung einer wirksamen Toxoplasmose-Impfung für Katzen.» Bisherige Impfversuche bei Katzen mit dem in-vitro gezüchteten Parasiten waren nämlich erfolglos. Obwohl die Katzen Antikörper bildeten, schieden sie weiterhin Oozysten aus.

Einen Schlüssel zur Entwicklung einer wirksamen Impfung von Katzen sieht Basso in der Tatsache, dass sich Katzen schon im jungen Alter mit Toxoplasma gondii anstecken. Infiziert sich eine Katze später noch einmal mit dem Parasiten, scheidet sie sehr selten erneut Oozysten aus.

Es wird also im Darm nach einer Infektion eine Immunität aufgebaut, die eine wiederholte Ausscheidung von Oozysten verhindert. «Uns interessiert, wie diese Immunität im Darm der Katze aufgebaut wird. Dazu müssen wir die im Darm vorhandenen Entwicklungsstadien von Toxoplasma gondii genau untersuchen», sagt Basso.

Katzenimpfung als Fernziel

Konkret bedeutet dies, dass Katzen kontrolliert mit Toxoplasma gondii infiziert werden. Anschliessend isolieren Basso und sein Team die im Darm vorhandenen Toxoplasma gondii-Stadien. Zusammen mit dem Functional Genomics Center Zurich, einem gemeinsamen Projekt von ETH und Universität Zürich, wird die Erbinformation mittels der Ribonucleinsäure (RNA) der Darmparasiten analysiert und mit den jeweiligen Sequenzen anderer Toxoplasma gondii-Entwicklungsstadien verglichen.

Basso interessieren besonders die für das Darmstadium spezifischen RNA-Sequenzen und vor allem die von ihnen kodierten Proteine. «Diese Proteine beziehungsweise Antigene werden wir an Katzen testen und schauen, ob dies allenfalls die Ausscheidung von Oozysten beeinflussen kann», beschreibt Basso die nächsten Schritte seiner Forschung mit dem Fernziel einer Toxoplasma gondii-Impfung.

Forschungskredit

Mit Beiträgen aus dem Forschungskreditfördert die Universität Zürich Nachwuchskräfte durch die Finanzierung eines Forschungsprojekts von hervorragender wissenschaftlicher Qualität.Gefördert werden Angehörige der Universität Zürich, die am Anfang ihrer akademischen Karriere stehen und ein Dissertations-, Postdoc- oder Habilitationsprojekt an der Universität durchführen möchten.Der Forschungskredit unterstützt die Forschungsprojekte namentlich mit Salärbeiträgen. Zusätzlich beantragt werden können Beiträge an Sachmittel, die für die Durchführung des Projekts notwendig sind.

1 Leserkommentar

Anna Courtpozanis schrieb am Zum Artikel über Toxoplasma Gondii Ich finde den Artikel außerordentlich interessant. Bei Schwangeren wird doch heutzutage auf Toxoplasmose untersucht und Antibiotika gegeben, damit das Ungeborene keine Schäden davonträgt. Seit ein paar Jahren kostet diese Untersuchung in Deutschland Geld. Das ist mir völlig unverständlich. Ich bin selbst durch Toxoplasmose in der Schwangerschaft meiner Mutter erblindet. Und das ist ja wohl das harmloseste, was einem passieren kann. Freundliche Grüße aus Frankfurt am Main Germany Anna Courtpozanis

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