Schweizerischer Nationalfonds

«Aufteilung überdenken»

Computerlinguist Michael Piotrowski findet, dass Fächer, die im Zwischenbereich traditioneller Forschungsgebiete angesiedelt sind, nicht vernachlässigt werden sollten.  

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Michael Piotrowski: «Für interdisziplinäre Forschungsgebiete ist die Fachgebietsaufteilung des SNF problematisch.» (Bild: zVg)

«Für mich hat sich die Fahrt nach Bern zur Veranstaltung «Forschungsnachwuchs: Macht die Schweiz genug?» auf jeden Fall gelohnt. Es ist dem SNF hoch anzurechnen, dass er so offen auf seine «Kunden» zugeht, den Dialog sucht und seine Förderinstrumente laufend evaluiert und anpasst. In dieser Hinsicht hatte Dieter Imboden, der Präsident des Nationalen Forschungsrates, auch einige interessante Neuigkeiten zu vermelden.

Meine zwei wichtigsten Anliegen sind: Die Möglichkeit für Postdocs ohne Anstellung an einer Universität, selbst Projektgesuche zu stellen und Finanzierung für die eigene Mitarbeit zu erhalten; und zweitens eine Anpassung der fachlichen Rubriken des SNF. Beide Punkte konnte ich in der Diskussion einbringen.

Die erste Problematik ist weithin bekannt und brennt sehr vielen Teilnehmenden unter den Nägeln. Erfreulicherweise hat der SNF bereits angefangen, hier über Verbesserungen nachzudenken.

Sicherstellen, dass das Gesuch in richtige Hände gerät

Die Fachgebietsaufteilung des SNF mit den drei Abteilungen Geistes- und Sozialwissenschaften, Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften und Biologie/Medizin, die innerhalb der Abteilungen noch feiner unterteilt werden, ist bekannt. Gesuchsteller müssen zum Beispiel ihre Forschung und ihre Projekte entsprechend einordnen; sie werden dann entsprechenden Fachleuten zur Begutachtung gegeben. Problematisch ist diese Einteilung jedoch bei interdisziplinären Forschungsgebieten, wie etwa in meinem Fall der Computerlinguistik.

Die Computerlinguistik kombiniert Methoden der Geistes- und der Ingenieurwissenschaften und gehört somit sowohl in die Abteilung I als auch in die Abteilung II (oder in keine von beiden?).

In der Feinklassifikation ist sie auch nicht vorgesehen, so dass Computerlinguisten ihre Gesuche unter eigentlich nicht zutreffenden Kategorien einordnen müssen, etwa «Linguistik/Andere Sprachen». Damit ist es sehr schwer, sicherzustellen, dass die Gesuche aus solchen Gebieten von den entsprechenden Fachleuten und Kommissionen begutachtet werden.

So wurde einer Kollegin etwa schon vorgeworfen, ihr Gesuch leiste keinen Beitrag für die theoretische Linguistik – natürlich nicht, denn Computerlinguistik ist etwas ganz anderes! Ein Gesuch von mir wurde von zwei Linguisten begutachtet, die sich zwar redlich bemüht haben, aber eben auch nur einen Teil des Projekts beurteilen konnten. Verschärft wird das Problem dadurch, dass viele andere Institutionen die Fachgebietsaufteilung des SNF übernehmen, auch die UZH. Ich hoffe, dass der SNF hier ebenfalls unsere Anregungen aufgreift und seine Fachgebietsaufteilung überarbeitet, so dass Fachgebiete nicht benachteiligt werden, nur weil sie nicht in die Taxonomie passen.»

Michael Piotrowski, Lehrbeauftragter am Institut für Computerlinguistik

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