Schweizerischer Nationalfonds

«Die Hürde zur Professur ist oft unüberwindlich»

Junge Forschende sollten eine langfristige Perspektive an der Universität haben, wünscht sich die Anthropologin Karin Isler. 

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Karin Isler: «Der Mittelbau trägt einen Grossteil der akademischen Forschung in der Schweiz.» (Bild: zVg)

«Die Nachwuchsforschenden der verschiedenen Fachrichtungen waren sich erstaunlich einig über die brennendsten Probleme: Der Mittelbau trägt unter prekären finanziellen Bedingungen und ohne reelle Zukunftsperspektiven einen Grossteil der akademischen Forschung in der Schweiz. Für den einheimischen Nachwuchs, das heisst die im Land ausgebildeten Wissenschaftler, ist die Hürde zur Professur allzu oft unüberwindlich, wobei insbesondere Frauen und Personen mit Betreuungspflichten schlechte Karten haben. Die zusätzliche Belastung durch den Anstieg der Studierendenzahlen bei gleichzeitiger Stagnation der Mittel wird das Problem in Zukunft noch verschärfen.

Realistische Perspektiven für junge Forschende

Um begabten Nachwuchs nicht weiterhin zu verlieren, muss es leistungsabhängige, aber realistische Perspektiven für junge Forschende geben. Ich plädiere für ein Evaluationsverfahren für den oberen Mittelbau, das hochqualifizierten Wissenschaftlern unabhängig von zufällig zur Verfügung stehenden Lehrstühlen eine langfristige Perspektive an der Universität ermöglicht. Dazu sind zusätzliche Mittel unabdingbar, da Professoren ihren Besitzstand äusserst ungern vermindern. Die Schaffung von Tenure-Track Assistenzprofessuren löst die Probleme nicht, da Schweizer Nachwuchs oft zu alt und mit Lehraufgaben zu belastet ist, um im internationalen Vergleich zu bestehen.

Der SNF sollte meiner Meinung nach unabhängige Projekte auch jungen Forschenden im Inland ermöglichen. Dies wäre durch eine Umverteilung der Gelder in der Projektförderung durchaus möglich, da arrivierte Professoren andere Optionen zur Finanzierung ihrer Projekt haben.»

Karin Isler, Oberassistentin am Anthropologischen Institut

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