Abschied von der Generation 47

Hanspeter Kriesi: «Ich bin ein typischer 68er»

Ende des Frühjahrssemesters 2012 wurden neun Professoren der Universität Zürich emeritiert. Sie alle gehören der Nachkriegsgeneration an. UZH News wollte von Hanspeter Kriesi wissen, was ihn geprägt hat und wie seine Zukunftspläne aussehen. 

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«Meine prädendste Erfahrung an der UZH war die Leitung des Forschungsschwerpunktes Demokracy.» Hanspeter Kriesi, Professor für Politikwissenschaft. (Bild: Apochroma)

Herr Kriesi, was zeichnet  Ihre Generation im Vergleich zu früheren oder späteren aus?

Ich wurde 1949 geboren und trete nun zwei Jahre «zu früh» zurück, weil ich an der EUI in Florenz einen Lehrstuhl übernehmen kann, der es mir erlauben wird, über das Zürcher Pensionsalter hinaus weiter zu arbeiten. Ich machte 1968 die Matura und begann mein Soziologiestudium im Herbst 1968. Ich bin also ein typischer Vertreter der 68er Generation, bzw. der «Generationseinheit» (im Sinne von Karl Mannheim), welche die «kulturelle Revolution» von 1968 geprägt hat und von ihr geprägt wurde. Eine Generation, die in verschiedener Hinsicht mit ihrer Elterngeneration gebrochen hat, die mit einem ungeheuren Optimismus in die Zukunft schaute und die für sich in Anspruch nahm, die Welt neu zu erfinden.

Sie entschieden sich für eine Karriere an der Universität. Was war Ihre prägendste Erfahrung an der UZH?

Ich entschied mich keineswegs für eine Karriere an der Universität Zürich, Ich wurde zwar PD für Soziologie in Zürich, aber eine Karriere stand mir hier nicht offen. Ich musste auswandern, zunächst nach Holland, wo ich an der Universität Amsterdam Professor für kollektives politisches Verhalten wurde. Dann kehrte ich in die Schweiz zurück, aber nicht direkt nach Zürich, sondern zuerst nach Genf, wo ich 14 Jahre Professor für Schweizer Politik und vergleichende Politik war. Erst in den letzten 10 Jahren war ich dann an der Universität Zürich tätig.

Die prägendste Erfahrung an der UZH war sicher die Leitung des Nationalen Forschungsschwerpunkts Democracy. Unter anderem dank der tatkräftigen Unterstützung durch das Rektorat der UZH und der einzigartigen Kooperation unter meinen Kollegen am Center for Comparative and International Studies (CIS) und am Institut für Publizistik und Medienforschung (IPMZ) ist es uns gelungen, dieses grosse Forschungsprogramm an die UZH zu bringen und mit Zürich als leading house durchzuführen.

Was war für Sie der Höhepunkt Ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit?

Meine wissenschaftliche Tätigkeit ist noch nicht beendet und der Höhepunkt kommt vielleicht noch.

Welche Themen werden Sie in Zukunft weiter verfolgen?

Das vielschichtige Thema der Demokratie wird mich weiter beschäftigen. Auch die Frage der politischen Folgen der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise werde ich mit Sicherheit weiter verfolgen.

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