Forschungsnahes Lehren und Lernen

«Die Bildungslandschaft ist im Wandel begriffen»

Die Universität Zürich fördert das forschungsnahe Lehren und Lernen. Warum das wichtig ist, erklären Otfried Jarren, Rektor ad interim der UZH, und Thomas Hildbrand, Leiter des Bereichs Lehre, im Interview.

David Werner

Das Spektrum der Formen, wie an der UZH forschungsnah gelehrt wird, ist gross: Die Plakatausstellung, die an den UZH-Standorten Zentrum, Irchel und Nord zu sehen ist, gibt einen Eindruck davon. 

Der Bereich Lehre hat dieses Jahr einen Vorstoss lanciert, forschungsnahes Lehren und Lernen an der UZH zu fördern. Warum?

Otfried Jarren: Als Forschungsuniversität haben wir das Ziel, Studierenden nicht nur Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln, sondern sie auch mit der Forschung in Berührung zu bringen und sie ins wissenschaftliche Denken einzuführen.

Geschieht dies an der UZH nicht bereits auf sehr vielfältige Art und Weise?

Thomas Hildbrand: In der Tat, das Spektrum der Formen, wie an der UZH forschungsnah gelehrt wird, ist riesig. Jeder Dozierende und jedes Institut hat in diesem Bereich seine eigenen Erfahrungen und Stärken. Wir möchten dazu anregen, dass Dozierende und Studienprogramm-Verantwortliche über die Fachgrenzen hinweg mehr voneinander abschauen, sich gegenseitig inspirieren – und neue Formen ausprobieren.

Jarren: Ein weiteres Ziel ist, dass die einzelnen Studienprogramme an der UZH klarer und expliziter benennen, welche Formen forschungsnaher Lehre sie bieten. Forschungsnahe Lehre fliesst meist ganz selbstverständlich – dadurch aber häufig implizit – in die Studienprogramme ein. Für Studieninteressierte, die eine Wahl zwischen einer wachsenden Zahl ähnlich gelagerter, teilweise gleichlautender Studienprogramme unterschiedlicher Hochschulen treffen müssen, ist wichtig zu wissen, welche Teile des Studiums forschungsnah unterrichtet werden.

Was ist der Anlass, das Thema forschungsnahe Lehre gerade jetzt aufzubringen?

Jarren: Die Rahmenbedingungen in der Lehre verändern sich zurzeit rasant. Ich stelle mir die Frage, wie forschungsnahe Lehre am besten organisiert werden kann, damit ihr Potenzial auch in Zukunft zur Geltung kommt.

An welche Veränderungen denken Sie?

Jarren: Die Bildungslandschaft auf der Tertiärstufe ist im Wandel begriffen. Polyvalente und individuell kombinierbare Ausbildungsgänge gewinnen als Alternative zum traditionellen Universitätsstudium an Bedeutung. Der Masterabschluss wird nicht der Regelabschluss bleiben, auch wenn wir uns dies an der UZH wünschen. Viele Studierende werden sich zukünftig überlegen, mit einem Bachelorabschluss die UZH zu verlassen. Umso mehr steht die Universität in der Pflicht, den Studierenden das Weiterstudieren schmackhaft zu machen. Wir brauchen als grosse Forschungsuniversität genügend gute und motivierte Masterstudierende und Doktorierende. Die gewinnen wir nur, indem wir sie frühzeitig für die Forschung begeistern. Ich lege deshalb Wert darauf, dass forschungsorientierte Lehre bereits auf Bachelorstufe stattfindet.

Ist damit auch denen gedient, die nach einem Bachelorabschluss die UZH verlassen wollen?

Jarren: Ja, denn auch sie haben so die Sicherheit, ein wissenschaftlich orientiertes Studium gewählt zu haben. Wir dürfen nicht dem Trend folgen, das Lehrangebot auf Bachelorstufe unter der Hand anwendungsorientierter zu gestalten, um so der kurzsichtigen Forderung nach «Employability» zu entsprechen. «Employability» an einer Universität meint «akademische Employability», und diese ist grundsätzlich forschungsbasiert. Dieses Verständnis schärft unser Profil als Forschungsuniversität.

Wie lässt sich forschungsnaher Unterricht in Bachelor-Studiengänge einbauen?

Hildbrand: Wir empfehlen, forschungsnahen Unterricht so im Curriculum einzuplanen, dass Studierende in mehreren aufs ganze Studium verteilten Modulen mit den verschiedenen Aspekten wissenschaftlichen Arbeitens vertraut gemacht werden. Dies nennt man «systematische Verknüpfung von Forschung und Lehre».

Was kann der Bereich Lehre zur Stärkung forschungsnaher Lehre an der UZH beitragen?

Hildbrand: Zweierlei: Erstens bieten wir Dozierenden hochschuldidaktische Unterstützung, zum Beispiel in Workshops mit internationalen Expertinnen und Experten, die wir seit letztem Semester durchführen. Wir sind mit einzelnen Studienprogrammen und Fakultäten im Gespräch, um abzuklären, wo sie zusätzliche Unterstützung benötigen. Zweitens dokumentieren wir auf unserer Website gute Beispiele forschungsnaher Lehre. Wir wollen Diskussionen unter Dozierenden zu diesem Thema initiieren, damit die UZH als Organisation dazulernt. Auch Studierende sollen in diese Diskussion einbezogen werden, zum Beispiel am Tag der Lehre am 13. November 2013, der dem forschungsnahen Lehren und Lernen gewidmet war.

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David Werner ist Leiter Publishing UZH.

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