Europäische Forschungsförderung

Die offenen Türen finden

Seit die Schweiz bei den Programmen «Horizon 2020» und «Erasmus+» für die EU als Drittstaat gilt, ist der Zugang zu europäischen Fördermitteln noch schwieriger geworden. An welchen Programmen Schweizer Nachwuchsforschende derzeit noch teilnehmen können, zeigten am Mittwoch Fachpersonen von UZH, ETH Zürich und der EU an einer Informationsveranstaltung.

Florian Meyer

Die «Euraxess»-Roadshow der Europäischen Kommission machte am Mittwoch Halt in Zürich und informierte über die europäische Forschungsförderung. (Bild: Florian Meyer)

Forschungsaufenthalte im Ausland sind ein Schlüsselfaktor für eine wissenschaftliche Karriere. Der Europäische Forschungsraum hat dabei für Nachwuchsforschende in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Die Europäische Kommission unterstützt den wissenschaftlichen Nachwuchs mit speziellen Fördermitteln wie den Individualstipendien der Marie-Skłodowska-Curie-Massnahmen (MSCA). Diese richten sich an Forschende, die einen Doktortitel oder mindestens vier Jahre Forschungserfahrung haben.

Da diese Förderstipendien zur «excellent science»-Sektion des EU-Forschungsrahmenprogramms «Horizon 2020» gehören, gelten auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs derzeit veränderte Bedingungen: Seit die Europäische Kommission die Schweiz bei ihren Bildungs- und Forschungsprogrammen – vorerst für 2014 – vom assoziierten Mitglied zum Drittstaat abgestuft hat, ist es für Postdoktorierende und wissenschaftliche Mitarbeitende in der Schweiz noch anspruchsvoller geworden, sich für EU-Fördermittel zu bewerben.

Grosser Informationsbedarf

«Die aktuelle Situation ist für Nachwuchsforschende schwierig. Man muss die EU-Förderinstrumente und die Kontaktpersonen sehr genau kennen», sagte Sofia Karakostas, Co-Leiterin der Informations- und Beratungsstelle EU GrantsAccess. Die Stelle berät Forschende der ETH Zürich und der Universität Zürich, die an internationalen Programmen teilnehmen wollen.

Wie gross das Bedürfnis nach Orientierung über die konkreten Teilnahmemöglichkeiten an EU-Programmen derzeit ist, zeigte sich am Mittwoch an einer Informationsveranstaltung, die EU GrantsAccess anlässliches des Besuches der «EURAXESS Roadshow» organisierte. Euraxess ist eine europäische Initiative, die Nachwuchsforschende in Europa bei Fragen zur Mobilität und in der Karriereentwicklung unterstützt.

Über 100 Nachwuchsforschende beider Zürcher Hochschulen nutzten die Gelegenheit, um sich aus erster Hand zu informieren: «Die EU bietet für die Forschenden in der Schweiz nach wie vor Fördermöglichkeiten an, aber sie müssen mehr Zeit in die Suche und in die Auswahl investieren», erklärte Kamila Partyka. Sie betreut bei der Europäischen Kommission das Dossier «Forschungskarrieren» und ist für die Marie-Skłodowska-Curie-Förderprogramme zuständig.

Unterschiedliche Fellowships

Als Mobilitätsprogramm sind die Marie-Skłodowska-Curie-Förderstipendien grundsätzlich für alle Nationalitäten offen. Das gilt insbesondere für die «European Fellowships». Für diese Stipendien können sich Postdoktorierende und Forschende von UZH und ETH Zürich bewerben, wenn sie einen Aufenthalt an einer Hochschule in einem EU-Staat oder in einem assoziierten Land planen.

Die gastgebende Hochschule, an der sie forschen wollen, muss aber bei der Anmeldung schon feststehen. Hingegen sind die Schweizer Hochschulen – da die Schweiz Drittlandstatus hat – bei diesem Programm als Gastuniversitäten für Forschende aus der EU ausgeschlossen.

Etwas anders geregelt sind die «Global Fellowships»: Bei diesen können Forschende zunächst für ein bis zwei Jahre an eine Institution in einem Drittstaat gehen. Anschliessend müssen sie aber wieder für ein Jahr an ihre Gastinstitution, die sich in einem EU-Staat oder in einem assoziierten Land befinden muss, zurückkehren. Zudem kann an diesem Programm nur teilnehmen, wer entweder Bürger der EU oder eines assoziierten Landes ist oder wer mindestens fünf zusammenhängende Jahre in einem EU-Staat oder in einem assoziierten Land geforscht hat.

Unzugängliche Grants

Nicht zugänglich für Schweizer Forschende – und auch nicht für ausländische Forschende, die an einer Schweizer Hochschule angestellt sind – sind die prestigeträchtigen Grants des Europäischen Forschungsrates (ERC).

Nachwuchsforschende, die sich für einen ERC Starting Grant oder ERC Consolidator Grant interessieren, müssen ihren Antrag entweder über eine Universität aus einem EU- oder assoziierten Staat einreichen, oder sie machen von den Übergangsmassnahmen des Schweizerischen Nationalfonds Gebrauch und bewerben sich für einen «SNSF Starting Grant» oder «SNSF Consolidator Grant».

145 Forschende haben sich gemäss SNF im März für diese Variante entschieden. Heute Freitag haben der Schweizerische Nationalfonds und Bundesrat Johann Schneider-Amman dazu weiter informiert.

«Herausforderungen für junge Akademikerinnen und Akademiker»: Podiumsgespräch unter anderem mit Wolfgang Fuhrmann und Nassim Nasseri (rechts) von den Mittelbauvereinigungen von UZH und ETH Zürich.  (Bild: Florian Meyer)

Einzigartige Expertise gefragt

Wie EU-Vertreterin Kamila Partyka bilanzierte, sind die Auswirkungen des Drittland-Status für die Schweizer Hochschulen und Forschungsorganisationen insgesamt restriktiver als für die einzelnen Forschenden.

Wie bei «Horizon 2020» generell können Schweizer Hochschulen auch bei Marie-Skłodowska-Curie-Programmen wie «Research and Innovation Staff Exchange» (RISE) oder den «Innovative Training Networks» (ITN) nur als Partnerorganisationen teilnehmen und keine Finanzierung durch die EU erhalten.

«Eine Ausnahme kann es geben, wenn die Expertise eines Schweizer Forschungsteams in einem Gebiet einzigartig ist», sagte Partyka, «aber rechnen Sie nicht mit dieser Ausnahme».

Dass die möglichst uneingeschränkte internationale Mobilität ein Schlüsselfaktor für die Laufbahn von Nachwuchsforschenden ist, darin waren sich Nassim Nasseri von der ETH-Mittelbauvereinigung AVETH und Wolfgang Fuhrmann von der Vereinigung akademischer Mittelbau der Universität Zürich (VAUZ) an einem Podiumsgespräch einig. Als Grundlage für Diskussionen über die Nachwuchsförderung empfahlen sie das EU-Papier «European Charter and Code for Researchers».

Florian Meyer ist Redaktor in der Hochschulkommunikation der ETH Zürich.

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