Ecopop-Initiative

«Die UZH würde empfindlich getroffen»

Die Ecopop-Initiative will das Bevölkerungswachstum in der Schweiz drastisch einschränken. Am 30. November wird darüber abgestimmt. Für die Universität Zürich hätte die Annahme der Initiative gravierende Konsequenzen, sagt Rektor Michael Hengartner im Interview.

Interview: David Werner2 Kommentare

«Für die UZH steht viel auf dem Spiel»: Rektor Michael Hengartner. (Bild: Frank Brüderli)

Herr Hengartner, die Ecopop-Initiative will die Netto-Zuwanderung in die Schweiz auf jährlich 0,2 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung begrenzen. Was würde es für die UZH bedeuten, wenn die Ecopop-Initiative angenommen würde?

Michael Hengartner: Nichts Gutes. Wissenschaft gedeiht dort, wo originelle und gescheite Köpfe unabhängig von ihrer Herkunft willkommen sind und optimale Arbeitsbedingungen vorfinden. Der Hochschulplatz Zürich ist ein leuchtendes Beispiel dafür. Er zieht seit über 180 Jahren die besten Forschenden an. Die ganze Schweiz profitiert von diesem Innovationsmotor. Die Ecopop-Initiative greift die Grundlagen dieses Erfolgsmodells an.

Obwohl sie die Einwanderung nicht unterbinden, sondern bloss beschränken will?

Eine so starre Einwanderungsquote würde die UZH empfindlich treffen. Es würden viel weniger Studierende, Doktorierende und Postdocs aus dem Ausland zu uns kommen als bisher. Die Berufung von Spitzenforschenden würde schwierig. Die UZH hätte somit einen grossen Nachteil gegenüber anderen Hochschulen in Europa und Nordamerika und könnte ihr heutiges Niveau kaum halten. Für die UZH steht also viel auf dem Spiel am 30. November.

Schon im Februar dieses Jahres stand viel auf dem Spiel, als über die Einwanderungsinitiative abgestimmt wurde. Inzwischen sind die gravierendsten Folgen der Abstimmung für die Hochschulen behoben. War alles doch nur halb so schlimm?

Um einen temporären Ersatz für das Studierendenaustauschprogramm Erasmus+ zu schaffen, hat die UZH 400 Verträge mit 190 europäischen Universitäten bilateral neu ausgehandelt. Ausserdem hat der Bundesrat erreicht, dass Schweizer Forschende einstweilen doch beim Forschungsprogramm Horizon 2020 mitmachen können, zumindest teilweise. 2016 müssen die Bildungs- und Forschungsabkommen mit der EU aber neu ausgehandelt werden. Wie die Verhandlungen ausgehen, ist ungewiss. Sicher ist: Ein Ja zur Ecopop-Initiative wäre einem guten Ergebnis nicht zuträglich.

Was erhoffen Sie sich von den Verhandlungen?

Ich hoffe, dass die Schweiz als gleichberechtigtes Mitglied an den EU-Rahmenforschungsprogrammen teilnehmen kann, und nicht nur als Drittstaat. Die Ausgangslage ist vertrackt, da die EU eine Teilnahme der Schweiz an den Bildungs- und Forschungsabkommen mit der Personenfreizügigkeit verknüpft. Noch aber bin ich optimistisch, denn letztlich ist auch die EU daran interessiert, die Schweiz als starke Wissenschaftsnation an Bord zu haben.

Sollte die Schweiz nicht mehr in die Förderung des eigenen Nachwuchses investieren, statt auf den Zustrom von Spitzenleuten aus dem Ausland zu setzen?

Das ist keine Frage des Entweder-oder. Die Internationalität der UZH geht nicht auf Kosten einer Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Im Gegenteil: Sie ist eine Voraussetzung dafür. Wäre die UZH nicht international ausgerichtet, wäre sie für ambitionierte Nachwuchsforschende, auch für solche aus der Schweiz, kaum interessant.

David Werner, Leiter Publishing

2 Leserkommentare

Ivo Steinmann schrieb am Das sind keine Argumente gegen ECOPOP Ich bin Masterstudent an der ETHZ und werde ECOPOP ganz klar annehmen. Von den Gegner der Vorlage hört man hauptsächlich die Angst vor dem Verlust der eigenen Pfründe. Die UNI befürchtet weniger Forscher zu erhalten, die Wirtschaft jammert wegen Fachkräften und wieder andere sind auf billige Arbeitskräfte angewiesen. Dann wird gesagt, dass wir die Leute benötigen als AHV-Bezahlvieh und als Krankenpfleger für die überalternde Bevölkerung. Aber ein Frage kann mir niemand beantworten: Wollen sie wirklich, dass die Schweiz weiter in dieser Geschwindigkeit völlig unkontrolliert wächst? Ein paar Wenige holen den maximalen Profit raus, das Pro-Kopf-BIP sinkt aber. Wohnungen werden immer teurer. Und was machen wir in 30-40 Jahren, wenn die Zuwanderer auch alt werden? Müssen dann 200'000 Leute zuwandern um das Schneeballsystem zu speisen? Weiter kann unsere Infrastruktur schlicht nicht in dem Tempo ausgebaut werden. Deswegen ziehe ich die Reissleine jetzt und nicht wenn es zu spät ist.
Peter Gambon schrieb am Ecopop-Initiative und Universität Zürich Ob Annahme oder Ablehnung der Initiative - An erster Stelle ist die EU an der Teilnahme der Schweiz an den Bildungs- und Forschungsprogramme in den EU-Ländern und in der Schweiz interessiert, da die Schweiz einen hohen Anteil der Kosten in der EU und in der Schweiz finanziert und bezahlt. Wenn die EU die Bildungs- und Forschungsabkommen mit der Personenfreizügigkeit verknüpft schadet sie den Bildungs- und Forschungsstandorten in der EU und in der Schweiz. Redaktion Klartext-Arena, Peter Gambon

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