100-Jahre-Jubiläum Hauptgebäude

Musikalische Hymne an die Universität

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des UZH-Hauptgebäudes wurde gestern in der Tonhalle Zürich ein Festkonzert gegeben. Im Zentrum standen zwei eigens für das Hauptgebäude komponierte Werke. Dem heiteren Konzertabend gelang der Spagat zwischen studentischer Lustigkeit und akademischem Ernst.

Alice Werner

Anlässlich des Jubiläums des UZH-Hauptgebäudes komponierte Edward Rushton ein zeitgenössisches Orchesterwerk. (Bild: Frank Brüderli)

Den musikalischen Höhepunkt der Veranstaltungen zum 100-jährigen Jubiläum des UZH-Hauptgebäudes bildete gestern das festliche Konzert in der Tonhalle Zürich. Zum Auftakt erstrahlte Johannes Brahms beliebte «Akademische Festouvertüre op. 80», ein freudiges Jubelstück, das die Stimmung des Abends vorgab. Als kompositorische Danksagung an die Universität Breslau, die ihm 1879 den Ehrendoktor zuerkannt hatte, verarbeitet Brahms in der Ouvertüre vier Studentenlieder: unter anderem den lustigen «Fuchsenritt», im Volksmund auch bekannt als «Ein Schneider fing`ne Maus» und, in der Coda, das bekannte «Gaudeamus igitur».

Trotz formaler Strenge gelingt dem Meisterkomponisten in seinem Suppé-Potpourri, wie er die Ouvertüre selbst nannte, ein musikalisches Augenzwinkern. Wie er mit kompositorischer Finesse das Orchester zum Lachen bringt, konnte man gestern hören: Unter der Stabführung von Karl Scheuber vollführte das Musikkollegium Winterthur gekonnt den Spagat zwischen kontrapunktischem Ernst und heiterer Gelöstheit.

Weit gespannter Klangkosmos

Der Sprung in die Gegenwart gelang mit dem eigens zum UZH-Jubiläum geschriebenen Orchesterwerk des in Zürich lebenden Komponisten Edward Rushton, das in der Tonhalle Zürich nun seine Uraufführung erlebte. «Concrete» (Beton) stellt einen musikalischen Kommentar zur Hochschularchitektur von Karl Moser aus heutiger Sicht dar.

Geübten Ohren mag dieser Bezug aufgefallen sein. Alle anderen erlebten ein einsätziges Werk, das die grosse emotionale Geste gleichermassen beherrscht wie (geisterhafte) Momente kontemplativer Versenkung. Das Orchester und die studentischen Solistinnen der Zürcher Hochschule der Künste durchmassen mühelos die Extreme dieses weit gespannten Klangkosmos aus der Feder des 42-jährigen Komponisten.

Als Schmankerl vor der Pause sorgte die Lustspielouverture «Rondo arlecchinesco op. 46» von Ferruccio Busoni für Unterhaltung. In Anlehnung an die italienische Commedia dell`Arte lässt der Komponist Busoni, der sich auch als Dirigent, Librettist, Essayist, Musikpädagoge und Ausnahmepianist einen Namen machte und zudem die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich erlangte, einen faxenmachenden Harlekin auftreten – während das musikalische Geschehen auf dem Podium ungerührt weiterläuft.

Ferruccio Busonis Harlekin-Reigen sorgte für leichtfüssige Unterhaltung. (Bild: Frank Brüderli)

Stimmgewaltiger Männerchor

Der zweite Teil des Konzertabends war der «Festkantate zur Zürcher Hochschulweihe 1914» von Friedrich Hegar (1841–1927) gewidmet, die dieser zur «Einweihung der neuen Universität Zürich» kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges verfasst hatte. Jahrzehntelang schlummerten die handgeschriebenen Noten des Zürcher Komponisten im Universitätsarchiv.

Anlässlich des Jubiläums wurden sie nun zu neuem Leben erweckt – und das durchaus stimmgewaltig. Der eindrucksvolle Männerchor intonierte den heroischen Text von Adolf Frey (1855–1920), damals Professor für deutsche Literaturgeschichte an der Universität Zürich, mit überzeugender Inbrunst. Sympathisch ernsthaft trat auch der Solist Wolf Matthias Friedrich auf: Er verlieh in der Rolle des Zürcher Reformators und Mitbegründer des Zürcher Hochschulwesens, Huldrych Zwingli, seinem Bariton angemessene Wichtigkeit.

Allfälliger Staub, den die Festkantate im Archiv angesetzt hatte, war spätestens nach den ersten Tönen weggeblasen – so engagiert dirigierte Anna Jelmorini das Orchester. Der gelungenen Darbietung von Hegars romantischer Hymne an den Tempel der Wissenschaft dankte das Publikum schliesslich mit einem mitgesungenen letzten «Gaudiamus igitur» – und lang anhaltendem Applaus.

Am Konzert wirkten mit: Wolf Matthias Friedrich (Bariton), Solistinnen und Solisten der Zürcher Hochschule der Künste, Männerchor Zürich, Schmaz – Schwuler Männerchor Zürich, Männerstimmen des Akademischen Chors Zürich, Musikkollegium Winterthur. Musikalische Leitung: Karl Scheuber und Anna Jelmorini.

Alice Werner ist Redaktorin des Journals der UZH.

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