EuroScholars Treffen

«Eine einmalige Gelegenheit»

Diese Woche treffen sich 16 Studierende des Euroscholars-Programm an der Universität Zürich. Mit dabei ist auch Sophia Xiao – die Chinesin kann dank des EuroScholars-Forschungsprogramms an der UZH ihre Passion für die Elementarteilchenphysik und exotische Sportarten ausleben.

Stefan Stöcklin

Sophia Xiao
Konzentration dank Fechten: EuroScholar-Studentin Sophia Xiao trainiert ihre Fähigkeit zur Kontemplation – als Ausgleich zur Beschäftigung mit Elementarteilchen. (Bild: Frank Brüderli)

Sophia Xiao hat sich mit ihrem Forschungsaufenthalt an der UZH einen langgehegten Wunsch erfüllt: «Ich wollte schon immer nach Europa, aber während des Studiums in den USA konnte ich nicht weg», sagt die aufgeweckte Physikerin. Da kam ihr die Möglichkeit eines Aufenthalts via «EuroScholars» sehr gelegen: Das Forschungsprogramm ermöglicht talentierten Studentinnen und Studenten aus den USA und Kanada einen Aufenthalt an einer europäischen LERU-Universität.

Neun forschungsstarke Universitäten beteiligen sich, in der Schweiz die Universitäten Genf und Zürich. Sophia Xiao bewarb sich, wurde akzeptiert und wählte die UZH. So ist sie im vergangenen August von Virginia nach Zürich gekommen – ein Tag, den sie nicht vergessen hat. In Zürich versammelten sich gerade Zehntausende von Menschen für die Street Parade. «Ich dachte immer, riesige Menschenmassen gebe es nur in China», sagt sie lachend. Unterdessen weiss sie, dass die Riesenparty ein Ausnahmezustand war. Stadt und Universität gefallen ihr aber auch im Normalzustand bestens.

Das Kleine und das Grosse

Dass sie sich für die Universität Zürich entschieden hat, liegt an den Forschungsmöglichkeiten im Bereich der Teilchenphysik. In den USA hat Sophia Xiao Physik und Astronomie studiert und die Fächer mit einem Bachelor an der University of Virginia abgeschlossen.

Hin- und hergerissen zwischen der subatomaren Teilchenphysik und den Weiten des Universums, entschied sie sich, bei ihren weiteren Studien auf Elementarteilchen zu fokussieren: Die UZH lockte mit spannenden Projekten. Im Rahmen des EuroScholars- Programms kann sie sich an Experimenten mit dem Teilchenbeschleuniger des CERN, dem LHC (Large Hadron Collider), beteiligen. «Eine einmalige Gelegenheit, um Erfahrungen zu sammeln», sagt sie.

Die talentierte Jungforscherin aus Shenzhen arbeitet in der Forschungsgruppe von Florencia Canelli, die den Zerfall von Elementarteilchen am CMS-Detektor des LHC untersucht. In dieser haushohen Maschine haben Physiker im Juli 2013 das Higgs- Boson nachgewiesen – ein Jahrhundertexperiment, das mit dem Nobelpreis geehrt wurde. In Canellis aktuellen Studien geht es darum, die Eigenschaften des Higgs-Teilchens näher zu beschreiben, konkret seine Beziehung zu einem anderen Teilchen namens Topquark.

Sophia Xiao beschäftigt sich mit der Software, um die Ergebnisse im Detektor messen zu können. Das bedingt ausgeklügelte Steuerungen; Sophia Xiao arbeitet dazu auf dem Campus Irchel gemeinsam mit anderen Physikern an den Programmen.

Europäisches Treffen in Zürich

«Ich liebe diese Arbeit, ich habe eine gute Wahl getroffen», sagt sie. Die junge Physikerin rühmt nicht nur das Forschungsprojekt, sondern auch die inspirierende Campus- Atmosphäre. Besonders angetan haben es ihr die Sportangebote des ASVZ, konkret Kickboxen, Bogenschiessen oder Fechten. Auch das Sozialleben kommt nicht zu kurz. Im Rahmen des EuroScholars-Programms treffen sich die Studierenden jedes Semester an einer der beteiligten Universitäten, vergangenen Herbst im Karolinska-Institut in Stockholm. Nun findet das «Midstay Meeting» in dieser Woche vom 19. Bis 22. April an der Universität Zürich statt. Studierende aus dem Euroscholars-Programm werden in den kommenden Tagen ihre Projekte vorstellen und die UZH und die Stadt Zürich kennenlernen.

Was Sophia Xiao betrifft, so sind die weiteren Schritte vorgespurt: Diesen Herbst wird sie an einer amerikanischen Universität eine Doktorarbeit in Angriff nehmen. Die Physikerin hat die Wahl und kann sich zwischen Angeboten von Caltech, Princeton und Yale entscheiden.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News

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