Internationale Physik-Olympiade 2016

Hier spielt die Physik

Nächsten Montag beginnt auf dem Irchel-Campus der UZH die Internationale Physik-Olympiade 2016. Über 400 talentierte Jugendliche aus 85 Ländern messen sich gegenseitig, insgesamt erwarten die Organisatoren über 900 physikbegeisterte Schüler, Betreuer und Helfer. UZH News gibt Antworten auf sechs Fragen zum Grossereignis.

Stefan Stöcklin

Fahnen Campus Irchel
Die Spannung auf dem Irchel-Campus der UZH steigt, die Physiktalente können kommen. (Bild: UZH)

An der Internationalen Physik-Olympiade IPhO 2016 nehmen mehr als 400 Jugendliche aus knapp 90 Ländern teil. In welcher Sprache unterhalten sie sich?

Am häufigsten unterhalten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahrungsgemäss in Englisch. Die Sprache gehört nebst Deutsch, Französisch, Spanisch und Russisch zu den fünf offiziellen Basissprachen einer Physik-Olympiade. Doch um gleichberechtigte Bedingungen zu schaffen, müssen die Prüfungen auch in allen anderen an der IPhO 2016 präsenten Sprachen vorliegen. Die fünf Prüfungsfragen werden dazu in insgesamt 50 verschiedene Sprachen und Dialekte übersetzt, zum Beispiel Arabisch, Hindi, Serbokroatisch oder Chinesisch.

Mit den Übersetzungen in die jeweilige Sprache dürfen die Betreuerinnen und Betreuer der fünfköpfigen Länderteams einen Tag vor Prüfungsbeginn beginnen, sie können dazu einen webbasierten Übersetzungsassistenten nutzen. Die Übersetzer dürfen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern natürlich nichts über die Fragen verraten. Sämtliche Geräte zur Kontaktnahme wie Smartphones und Computer werden deshalb vorgängig eingesammelt. Zudem übernachten die Prüflinge und die Betreuungspersonen, welche die Übersetzungen anfertigen, an verschiedenen Orten.

Wie schwierig sind die Tests: Kann man die Prüfungen mit einer Physik-Matur vergleichen?

Die Anforderungen und Länge der Prüfungsfragen übersteigen das Maturniveau in deutlichem Masse, sagen Experten, die mit den Testfragen vertraut sind. Zu lösen sind zwei experimentelle und drei theoretische Fragen. Gefordert sind Kenntnisse, die meist erst im Rahmen des ersten Semesters eines Physikstudiums vermittelt werden.

Eine typische Testfrage könnte zum Beispiel eine Satellitenmission betreffen. Da müssten die wirkenden Kräfte beim Start der Trägerrakete beschrieben und berechnet werden, der notwendige Schub für das Abheben und weitere Grössen wie Umlaufzeiten um die Erde etc. Diese Frage wird an der Physik-Olympiade natürlich nicht drankommen...

Andrea Schneider
Seit anderthalb Jahren an der Arbeit: Andrea Schneider, Geschäftsführerin des Organisationskomitees der IPhO 2016. (Bild: sts)

Hat es in den Betreuungsteams auch Psychologen, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern helfen, mit dem Stress umzugehen?

Der Druck ist gross, nicht zuletzt auch deshalb, weil bei vielen Teilnehmenden ihre weitere Karriere vom Abschneiden an der Physikolympiade abhängen kann. Zum Beispiel mit einem Studienplatz oder einem Stipendium. Für die mentale Unterstützung zuständig ist ein Teamguide, der die jungen Physik-Talente der Länderteams begleitet. Diese Guides sind Tag und Nach präsent und können bei Bedarf auch medizinische Hilfe anfordern. Ebenfalls vor Ort sind Samariter. Als kleine mentale Unterstützung stellen wir Bonbons zur Verfügung, die gibt es in zwei Varianten, entweder zum Entspannen oder als Energienachschub.

Im fünfköpfigen Schweizer Team fällt Caroline Rossier als einzige Frau auf. Wieviele Frauen hat es an der IPhO 2016?

Die Teilnehmerinnen sind mit rund 20 Frauen eindeutig in der Minderheit, 95 Prozent der Physiktalente an der IPhO 2016 sind Männer. Das einseitige Verhältnis hat sicher damit zu tun, dass in vielen Ländern Frauen in naturwissenschaftlichen Fächern nicht oder zuwenig gefördert werden. Die Erfahrungen in der Schweiz mit der Matur zeigen, dass sich die Verhältnisse rasch ändern, wenn klassische Gendervorurteile verschwinden. Unterdessen absolvieren mehr Frauen als Männer in der Schweiz eine Maturität. Noch sind es wenige, die dann auch ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium beginnen, aber ihr Anteil steigt.

Was winkt dem Siegerteam?

Es gibt keine Teamwertung, alle Teilnehmenden arbeiten für sich und erhalten auch eine individuelle Benotung. Aufgrund der Punktezahl werden Gold-, Silber- und Bronzemedaillen sowie eine Honourable Mention verteilt. Der Punkteschlüssel wird so erstellt, dass mindestens zwei Drittel der Teilnehmenden eine Auszeichnung erhalten. Konkret werden 32 Gold- und eine grössere Zahl von Silber- und Bronzemedaillen verteilt. Das letzte Drittel wird mit einer Honourable Mention geehrt. Zusätzlich gibt es für die neun Besten einen Geldpreis im Betrag von 500 – 1000 Franken sowie einer Riesentoblerone (4.5 Kg). Die Medaillen werden an der Schlusszeremonie am 17. Juli in der Tonhalle feierlich übergeben.

Die Universität präsentiert sich während der IPhO den Talenten auch als attraktiver Studienort. Was bietet die UZH zukünftigen Physikerinnen und Physikern?

Das Physik-Institut der UZH ist sehr international ausgerichtet und gut vernetzt. Die Forschungsgruppen beschäftigten sich mit allen relevanten Bereichen von der Astrophysik und Teilchenphysik bis zur Physik der kondensierten Materie. Wir haben Zugang zum Teilchenbeschleuniger LHC am CERN und weiteren internationalen Forschungseinrichtungen. Aufgrund der relativ kleinen Zahl von Physikstudierenden ist die Betreuungssituation hervorragend. Der Bachelor-Studiengang ist breit ausgerichtet, der Master-Studiengang erlaubt Spezialisierungen in allen Bereichen und kann mit Kursen der ETH Zürich kombiniert werden.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News

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