Bauen für Bildung und Forschung

Neubau für die Medizinische Mikrobiologie eingeweiht

Am Institut für Medizinische Mikrobiologie der UZH arbeitet das Team um UZH-Professor Erik Böttger an neuen Wirkstoffen gegen gefährliche, resistente Bakterien – bisher unter schwierigen räumlichen Bedingungen. Mit dem Umzug in einen Neubau an der Gloriastrasse 28 stehen für die Forschung und molekulare Diagnostik nun moderne Räume bereit.

Marita Fuchs2 Kommentare

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie ist in den Neubau an der Gloriastrasse 28 gezogen. Damit steht dem Institut modernste Infrastruktur zur Verfügung.

 

Erik Böttger, Professor für Medizinische Mikrobiologie und Direktor des gleichnamigen Instituts der UZH, steht im neuen Institutsgebäude an der Gloriastrasse 28 und freut sich. In nur drei Jahren – von der Planung bis zum Bau – wurde das Gebäude erstellt. Nun können Böttger und sein Team in modernen Räumen forschen und arbeiten. Zum Institut gehören etwa 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Lehre, Forschung und Infektionsdiagnostik tätig sind. Als grösstes mikrobiologisches Institut der Schweiz und nationales Referenzzentrum für Mykobakterien im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit verfügt es über ein modernes Sicherheitslabor.

Zuvor war das Institut an der Gloriastrasse 30 untergebracht, dem so genannten Giacomettibau, der unter Denkmalschutz steht, und dessen zentrale Installationen modernen Ansprüchen an einen Laborbetrieb nicht mehr genügten. Im neuen Bau konnte jetzt auch eine vollautomatisierte Laborstrasse im bakteriologischen Labor aufgebaut werden, was aufgrund der Bodenstärke im alten Gebäude nicht möglich war. In dieser vollautomatischen Laborstrasse können schnell viele Proben, die in der Regel aus dem Universitätsspital Zürich hier ankommen, analysiert werden. Das Gebäude Gloriastrasse 30 wurde ebenfalls runderneuert.

Wenn Antibiotika nicht mehr helfen

Böttger und sein Team arbeiten an einem der drängendsten medizinischen Problem unserer Tage: Antibiotikaresistenzen. Wegen resistenter Bakterien verlieren immer mehr Medikamente ihre Wirkung. Wer sich zum Beispiel mit einem Keim infizieret, der eine solch hochgradige Resistenz trägt, bei dem könne selbst eine sonst relativ harmlose Infektion tödlich enden, sagte Böttger. Selbst die letzten Reserve-Antibiotika seien dann wirkungslos. «Wir stehen in einem Wettlauf mit der Resistenzentwicklung bei Bakterien und brauchen dringend neue Wirkstoffe», sagte Erik Böttger heute an einer Medienführung, an der das neue Laborgebäude an der Gloriastrasse 28 gezeigt wurde.

Medizinische Mikrobiologie
Die Aufgaben des Instituts für Medizinische Mikrobiologie umfassen Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Infektionskrankheiten.

Medizinische Detektivarbeit

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie habe drei wesentliche Aufgaben führte Böttger aus: Infektionskrankheiten zu verhindern, Infektionserreger nachzuweisen und die Behandlung von Infektionskrankheiten, sprich: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie.

Im Folgenden nannte er ein Beispiel für die Tragweite der medizinischen Mikrobiologie in Zürich: Im Jahr 2013 hatten am Universitätsspital zwei Patienten eine Herzklappenoperation, die mit Komplikationen einherging. Die Patienten hatten eine schwerwiegende Infektion, verursacht durch den Erreger Mycobacterium chimaera. Wie Forschende um Böttger in Zusammenarbeit mit Infektiologie und Spitalhygiene des USZ nachweisen konnten, wurde die Infektion durch dieses nichttuberkulöse Mykobakterium während des Eingriffs von der Herzlungenmaschine verursacht.  Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Swissmedic wurden im Juli 2014 darüber informiert und gaben eine Warnung heraus, die weltweit wirkte. In einer internationalen Zusammenarbeit haben die Zürcher Forscher in dezidierter wissenschaftlicher Detektivarbeit herausgefunden, dass die Maschine bereits beim Hersteller verunreinigt wurde. Der Gerätehersteller wurde in die Pflicht genommen und so das Leben vieler Herzpatienten gerettet.

Symbol für künftige Bauten

Wie das Beispiel zeigt, ist die enge Zusammenarbeit zwischen Universitätsspital und dem Institut für Medizinische Mikrobiologie sehr wichtig und notwendig, deshalb hätte man das neue Gebäude nicht irgendwo in der Agglomeration gebaut, sondern direkt am Standort Zentrum neben dem Universitätsspital, sagte Stefan Schnyder, Direktor Finanzen, Personal und Infrastruktur der UZH. Die Modernisierung am Gloriarank, die etwa 30 Millionen Franken kostete inklusive Abriss des alten Gebäudes Gloriastrasse 32 und Sanierung Gloriastrasse 30, stehe symbolhaft für künftige Bauten im Rahmen des Grossprojekts «Stadtuniversität Zürich UZH», denn er entspreche  den Kernzielen der universitären Immobilienstrategie: Die UZH wolle sich dabei auf zwei Hauptstandorte konzentrieren, weil die Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und den Spitälern räumlich wichtig sei und so eine moderne und effiziente Forschungsinfrastruktur geschaffen werden könne, die das interdisziplinäre Arbeiten fördere.

Langfristige Planungsgrundlagen für den Gestaltungsplan Gloriarank werden derzeit erarbeitet, sagte Schnyder. Klar sei, dass ein Schwerpunkt der universitären Medizin im Hochschulgebiet Zentrum die Infektiologie sei. Dabei hätte man nicht nur optimale Bedingungen für Forschung, Lehre und Versorgung im Auge, sondern achte auch darauf, öffentliche Begegnungsflächen zu schaffen.

Informationsveranstaltung

Heute Abend findet für die Repräsentanten der Quartierbevölkerung eine Informationsveranstaltung mit Führung statt. Es gibt nur noch wenige Plätze, denn die Räumlichkeiten im Neubau erlauben keine grossen Menschenmengen. Für kurzfristige Anmeldungen wende man sich an dialog@fpi.uzh.ch.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

2 Leserkommentare

Raymond Bandle schrieb am Endlich hat die Medizinische Mikrobiologie geeignete Laboratorien Als ehemaliger für das Areal Gloriastrasse/Häldeliweg zustäniger Projektleiter und Bauherrschaftsvertreter freue ich mich, dass nach rund 15-jähriger nicht immer glücklich verlaufener Planungszeit endlich etwas Konkretes realisiert werden konnte. Mein Vorschlag für die Nutzung des mit dem Abbruch des Gebäudes Gloriastrasse 32 frei werdenden Areals ist der Bau eines analogen Pavillonbaus mit zwei bis drei Hörsälen à etwa 150 Plätze. Damit liesse sich die akute "Hörsaalnot" im Zentrum etwas lindern.
Walter Schaffner schrieb am Alles Gute! Lieber Erik Mit Freude habe ich mir den Video-Report zu Eurer Arbeit angesehen. Für die weitere Forschung wünsche ich Dir viel Erfolg und hoffe zudem, Ihr werdet von technischen "Kinderkrankheiten" des neuen Gebäudes möglichst verschont. Mit herzlichem Gruss Walter

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